S-Bahn: Technische Störung auf der S7, Verzögerungen auf der Stammstrecke

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Wehe, wenn sie losgelassen – das Ensemble von „Der nackte Wahnsinn“: Thomas Wenke, Constanze Lindner, Sonja Kling, Michael Altinger, Ferdinand Schmidt-Modrow, Gabi Rothmüller, Eva-Maria Reichert, Alexander Liegl, Norbert Heckner (v. li.).

Chaostage auf der Bühne

München - Experiment Boulevard: Heute feiert im Münchner Lustspielhaus „Der nackte Wahnsinn“ Premiere. Wir waren bei den Proben zu Besuch.

Ein Teller mit Sardinen, Alkohol, Einbrecher, heruntergelassene Hosen und blutende Nasen – kein Zweifel, hier herrscht Chaos. Liegt das am Plot? An der Inszenierung? An den Schauspielern? Alles irgendwie richtig, denn gegeben wird „Der nackte Wahnsinn“ – ein Stück, das von einer Theatertruppe handelt, die ein Stück aufführt und darüber (fast) auseinanderbricht. In den vergangenen Wochen hatte Regisseurin Gabi Rothmüller alle Hände voll zu tun, dafür zu sorgen, dass wirklich nur die Pannen passieren, die auch im Text stehen. Heute Abend muss alles klappen, dann ist Premiere im Münchner Lustspielhaus.

Eine illustre Truppe hat Rothmüller um sich versammelt, bestehend aus Kabarettisten und Schauspielern – und Schauspielern, die gerne Kabarett machen. Michael Altinger ist dabei und Alexander Liegl, ferner Sonja Kling und Thomas Wenke, einst Mitglieder des Lach- und Schieß-Ensembles, Constanze Lindner von den BR-„Komikern“ und „Forsthaus Falkenau“-Star Eva-Maria Reichert. Satire oder Comedy, wie sie im Lustspielhaus sonst ihren Platz haben, dürfen nicht erwartet werden. Ein Wagnis, wie Rothmüller einräumt: „Ob unser Stammpublikum auch an so etwas gewöhnt werden kann, muss sich zeigen.“

So richtig verzweifelt klingt das nicht, und schließlich war es der lang gehegte Traum der Regisseurin – sie sorgt sonst etwa dafür, dass Otti Fischer auf der Kabarettbühne eine gute Figur macht – und ihres Teams, sich einmal an einer Boulevardkomödie zu versuchen. Die 52-Jährige glaubt an die Genialität des Autors Michael Frayn. Auch Alexander Liegl, selbst nicht unerfahren im Dichten, ist Feuer und Flamme: „Wenn’s läuft, ist das das Komischste, was es gibt.“

Damit es läuft, ist einiges zu beachten bei diesem (Boulevard-)Stück, das zugleich sozusagen seine eigene Parodie ist. Hier ist der Regisseur mal sichtbar und mal nicht, hier geht’s drunter und drüber, und schon bald weiß niemand mehr, wo vorne und hinten ist – buchstäblich, denn der mittlere Akt zeigt nicht, was auf, sondern was hinter der Bühne passiert. Da muss das Timing stimmen, da muss manchmal ganz exakt durcheinandergeredet werden, dass das Publikum nicht den Überblick verliert. Für Soli, für Improvisationen, gar für Reminiszenzen an die „Occams“ und andere legendäre Lustspielhausproduktionen ist da kein Platz. Sogar das Bairische ist vorübergehend von den Brettern verbannt – und das will was heißen bei diesen Darstellern.

Harmonie ist Trumpf, sonst funktionieren die Konflikte nicht, die sich Autor Frayn ausgedacht hat. Doch muss man keine Angst haben: Liegl und Altinger verstehen sich blind, auch Sonja Kling und Thomas Wenke sind aufeinander eingespielt, Constanze Lindner, Ferdinand Schmidt-Modrow und Norbert Heckner haben Ensembleerfahrung – und „Küken“ Eva-Maria Reichert gleicht das alles durch Leidenschaft aus: „Theaterspielen ist ja sooo geil!“ Die Regisseurin ist zufrieden mit ihren „klugen und schnellen“ Schauspielern, und so bewegt sich das Lampenfieber trotz des verhältnismäßig kurzen Vorlaufs im Bereich des Normalen. Da ist sogar noch Platz für Scherze. „Fünf Wochen Probezeit sind für so ein Stück schon kurz“, bilanziert Alexander Liegl: „Bei den ,Occams‘ wären fünf Wochen ungefähr vier Wochen zu lang gewesen.“

Na, dann muss das ja was werden.

Rudolf Ogiermann

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