+
„Ohne Skrupel, ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Faszinierend.“ Charlize Theron spielt im achten Teil von „Fast & Furious“ die Terroristin Cipher, die Dominic (Vin Diesel) schöne Augen macht. 

Interview zum Kinostart von „Fast & Furious 8“

Diese Psychopathin fasziniert Charlize Theron

  • schließen

Berlin - Von der Ballerina über die Charakterdarstellerin zur Actionheldin: Charlize Theron, die ihre Ballettkarriere wegen einer Verletzung aufgeben musste und für ihre Rolle in „Monster“ den Oscar bekam, findet seit ihrem Auftritt in „Mad Max: Fury Road“ Spaß an knallharter Action. Jetzt mischt sie „Fast & Furious 8“ auf. Wir trafen die 41-jährige Südafrikanerin zum Gespräch.

Kennen Sie sich auch so gut mit moderner Technologie aus wie Ihre Filmfigur?

Charlize Theron: Nein, gar nicht. Manchmal versuche ich mir einzureden, das wäre ein Problem meiner Generation, aber das ist Quatsch. Denn einige meiner Freunde sind total fit in Computertechnik, während ich immer wieder fragen muss: „Wie geht das noch mal mit Copy-and-paste?“

Und was für eine Beziehung haben Sie zu Autos?

Theron: Eine ziemlich enge! Auf unserer Farm in der Nähe von Johannesburg bin ich quasi mit Motoren aufgewachsen, denn mein Vater war Straßenbauingenieur und liebte Autos. Er hat ständig alte Ford-Schlitten gekauft, an ihnen herumgeschraubt und sie mit Motorrad-Motoren aufgemotzt. Autofahren habe ich mit acht Jahren gelernt.

Wirklich? Wie kamen Sie denn da ans Gaspedal?

Theron: Schon damals war ich sehr groß für mein Alter. Mein erstes Auto war ein kleines Tuk-Tuk, eine asiatische Rikscha. Mein Vater hatte sie irgendwo ersteigert und dann den Motor eines Geländemotorrads eingebaut. Keiner meiner Freunde hatte so etwas Cooles. Ich war völlig begeistert und bin damit Tag für Tag auf dem riesigen Gelände unserer Farm herumgesaust. Weit und breit kein Polizist, der mich gestoppt hätte. Ich habe einfach unsere Hunde eingeladen und sie durch die Gegend kutschiert – wie eine Taxifahrerin im Tierreich.

Fahren Sie heute in Los Angeles noch so gern?

Theron: O ja, ich liebe es, am Steuer zu sitzen und mit dem Auto einen Ausflug zu machen oder herumzureisen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen fahre ich auch stets selbst zur Arbeit. Fahren hat in meinen Augen fast etwas Meditatives – das ist die perfekte Therapie für mich.

Waren Sie traurig darüber, dass Sie ausgerechnet im PS-Epos „Fast & Furious 8“ nicht selbst am Lenkrad sitzen durften?

Theron: Natürlich wäre das ein großer Spaß gewesen. Aber Spaß kann ich auch mit meinen Freunden haben. Der Film ist ein Job, und für meine Filmfigur passt es viel besser, dass sie ständig in einem gigantischen Flugzeug über der Erde kreist – wie ein Habicht auf der Suche nach Beute. Mich hat es gereizt, dass dieser weibliche Erzbösewicht eine totale Psychopathin ist, die unverzeihliche Dinge tut. Sie kann jemandem vor den Augen von dessen Familie sein Hirn wegpusten, ohne dabei irgendetwas zu empfinden, ohne Skrupel, ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Faszinierend.

Wie haben Sie sich ihr genähert? Viele Ihrer Kollegen können eine Figur nur spielen, wenn sie sie verstehen oder verteidigen können.

Theron: Mir geht es nicht so. Ich verteidige ihr Verhalten nicht – es ist einfach nur schrecklich! Aber solche Leute existieren nun einmal. Und das sind Menschen, nicht etwa Werwölfe oder Monster. Bei meiner Vorbereitung auf meine Rolle der Serienkillerin in „Monster“ habe ich mich lange Zeit fast obsessiv mit Verhaltenspsychologie und Neurologie beschäftigt. Es interessiert mich, woher es kommt, dass manche Menschen zu so horrenden Taten fähig sind.

Was hat sich für Sie seit Ihrem Oscar-Gewinn für „Monster“ verändert?

Theron: Vor allem meine Prioritäten. Ich bin jetzt alleinerziehende Mutter zweier kleiner Adoptivkinder, und die haben absoluten Vorrang. Früher hatte ich die Freiheit, jederzeit meine Sachen packen und abhauen zu können; jetzt genieße ich es richtig, dass meine Kinder mein Leben diktieren. Ich fühle mich wie ein Soldat, dem befohlen wird, in welche Richtung er gehen soll. (Lacht.) Was den handwerklichen Aspekt meiner Arbeit betrifft, so habe ich sicher mehr Routine als früher. Doch der kreative Aspekt ist noch immer nervenaufreibend: Eine Drehbuchseite möglichst authentisch zum Leben zu erwecken, gibt mir nach wie vor einen Adrenalinkick!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!

Kommentare