Charmante Liebeskomödie

- Briefwechsel - kein Internet-Chatten wird je diese kaum noch gepflegte Kultur ersetzen. Aus der leidenschaftlichen Korrespondenz zwischen George Bernard Shaw (1856-1950) und der zu ihrer Zeit berühmten Schauspielerin Stella Patrick Campbell (1865-1940) konnte Jerome Kilty sogar einen theaterreifen Dialog montieren. Und was Hildegard Krost - in bester Erinnerung ihr "Gespräch im Hause Stein" - und Friedhardt Kazubko aus "Geliebter Lügner" jetzt in der Pasinger Fabrik gemacht haben, ist nicht weniger als eine hinreißend charmante Liebeskomödie.

"Dass Du einmal etwas für mich empfunden hast, macht mich sehr stolz", schreibt sie ihrem "Joe", wie sie Shaw liebevoll nennt. Überhaupt ist dieses 40 Jahre anhaltende Brief-Verhältnis, bei all seiner Eifersucht, bei all ihrer kritisch-trotzigen Selbstbehauptung, ein gegenseitig respektvoll-liebevolles. "Gut, ich will Deine Schlampe spielen", akzeptiert die immerhin 48-jährige Campbell die Rolle der 20-jährigen Eliza Doolittle in Shaws "Pygmalion". Hildegard Krost vermag vor allem mit einer ironisch wissenden Anmut des Alters zu vermitteln, dass diese Beziehung immer in der Wirklichkeit verankert blieb: Mit bezaubernd schmollender Koketterie erinnert ihre Stella den heiß entbrannten "Joe" mehr als einmal an Ehefrau Charlotte, konstatiert gefasst die eigenen "Krähenfüße und Hängebacken". Und Kazubkos sympathischer George Bernard schäumt und wütet, als er unmittelbar nach der enthusiastisch aufgenommenen "Pygmalion"-Premiere 1913 von Stellas Heirat mit einem nicht unbetuchten Rivalen erfährt. Harte Lebensfakten hat Kilty keineswegs ausgespart. Die alternde Campbell muss sich mit immer kleineren Rollen begnügen. Am Ende ist sie dankbar, dass sie die Korrespondenz veröffentlichen kann: "Niemand wird etwas anderes denken als was für köstliche Briefe das sind und was für ein lieber Mensch Du bist."<P>Bis 21. 4., Karten Tel. 089/834 20 14.</P><P><BR> </P>

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