Charmanter Abend mit furiosem Ausklang

- Südländisch Temperamentvolles war angesagt, als die Münchner Philharmoniker den Odeonsplatz am Sonntagabend für ihren Open-Air-Auftritt enterten. Zusammen mit dem jungen russischen Dirigenten Andrey Boreyko heizten sie dem hoch gestimmten Publikum vor allem nach der Pause mit spanischen Rhythmen ein. Das war auch nötig, da ein gar zu kräftiges Lüfterl die laue Sommernacht störte, in die zunächst einmal Rossinis "Diebische Elster" aufsteigen durfte. Mit zackig-kräftigem Flügelschlag hob sie ab, bewegte sich dann aber auch voller Esprit, schwebte duftig und geriet in Rossini'schen Wirbel.

Bevor Spanien lockte, entführte Hé´lè`ne Grimaud die rund 8000 Zuhörer in die deutsche Romantik: In Schumanns Klavierkonzert a-moll hielt sie gleich drängend mit, gönnte sich im versonnenen Seitenthema eine Liaison mit der Klarinette, bevor die Reprise noch attackierender daherkam und sie die Kadenz wuchtig aufwühlte.

Zurückhaltend, tastend, fast unsicher "wartet" das Klavier im Andantino grazioso darauf, dass die Celli ihm ihre wunderschöne Kantilene vorsingen. Die Philharmoniker taten es, und Hé´lè`ne Grimaud gesellte sich sanft dazu. Bis es Zeit war, aus der Zurückhaltung hinüber zu springen ins Finale und sich dort in die Attacke zu werfen. Mit Kraft, Poesie und Leidenschaft, die Boreyko anfachte.

Fünf feurige Tänze aus Manuel de Fallas "Dreispitz"-Ballett machten Dirigent und Orchester zur Sommernachtsmusik: prall, lebendig und farbsatt, mit trockenem Rhythmus. Maurice Ravels "Bolero" folgte als ebenfalls ideale Freiluft-Musik, wenngleich zu Beginn ein Motorrad das zarte rhythmische Grundmuster der kleinen Trommel übertönte. Eindrucksvoll, mit immer neuen Farbschattierungen reihte sich das Großaufgebot der philharmonischen Bläser in die Endlosschleife, steigerte Boreyko die Dynamik, bis die Mechanik effektvoll ausrastete und der Bolero ein Ende fand. Mit Bizet (aus "L'arlesienne") und einem Gruß an Argentinien (von Ginastera) klang der Abend furios aus.

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