Charme und Können

- "Toitoitoi." Frank Baumbauer, Intendant der Münchner Kammerspiele, beugte sich am Ende des Festakts herunter zu den Brettern des Werkraums. Auf Holz klopfend wünschte er der wiedereröffneten Otto-Falckenberg-Schule in der Hildegardstraße (wir berichteten) und ihren Zöglingen alles Gute; kündigte außerdem an: "Wir rücken enger zusammen."

In den eineinhalb Stunden zuvor hatten die Schüler des 1., 2. und 3. Jahrgangs mit Charme, Witz und Können bewiesen, was sie draufhaben. Es reihte sich nicht grämlich Rede auf Rede. Jede wurde umrankt von jugendfrischen Aufritten. Bestens gearbeitet und pointiert inszeniert zum Beispiel die intensive Pubertäts-Ballade "Zeit zu lieben Zeit zu hassen" (Fritz Kater) oder das Sprech-Quartett "Phil Glass Buys a Loaf of Bread" (David Ives). Heftig bejubelt immer wieder von diversen Lehrern wie Georgette Dee, Jörg Hube oder Doris Schade, aber vor allem von zahlreichen Ehemaligen wie Sunnyi Melles, Götz Otto, Dieter Landuris, Joachim Król, Axel Milberg, Walter Sittler, Christiane Rossbach, Stefan Wilkening et cetera, die Klassentreffen-Stimmung in den Saal brachten.

Das stachelte sogar die seriösen Vertreter von Stadtverwaltung und -politik an zu humorvollen Verzierungen ihrer Reden: Wolfgang Lippstreu vertrat die wieder einmal absente Kulturreferentin Lydia Hartl und war erleichtert über das Ende des "Exils" der Schule in "Abbruchgebäuden" an der Dachauer Straße 114. Franz Josef Balmert vom Baureferat freute sich über den problemlosen Bauablauf; und Christine Strobl, zweite Bürgermeisterin, mischte ihr "staatstragendes" Manuskript selbstironisch auf. Unterstrich aber durchaus ernst, dass die Stadt hinter ihrer berühmten Schauspielschule steht, die auch beträchtlich vom Staat unterstützt wird.

Die Ehemalige, Maren Eggert, die jetzt am Hamburger Thalia-Theater engagiert ist, plauschte nostalgisch ein wenig von Anno dazumal. Am schönsten und wichtigsten aber waren Christoph Leimbachers Hinweise darauf, dass heutzutage die Falckenbergschule ein weites Herz hat: Menschen aufnimmt, die aus Polen, Niederbayern oder Südamerika stammen. Dass die 60 Jahre alte Institution in München tief verwurzelt ist. "Sie genießt Respekt, auch wenn mancher nicht weiß, was wir da so machen."

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