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Die höchst animierte Truppe der Musicalcomedy „The Full Monty“/„Ganz oder gar nicht“ brachte das Publikum zum Rasen. Foto: Deutsches Theater

Chippendale-Azubis im Deutschen Theater

München - Die erste und wohl wichtigste Information für die Damen gleich zu Beginn: Ja, es fallen tatsächlich alle Hüllen! Denn im Gegensatz zum britischen Kinohit aus dem Jahr 1997 nimmt die Musicalversion von „The Full Monty" den Untertitel „Ganz oder gar nicht" absolut wörtlich.

Aber selbstredend ist der sekundenkurze Blick ins volle Menschenleben längst nicht der einzige Grund dem Deutschen Theater in Fröttmaning in den nächsten zwei Wochen einen Besuch abzustatten. Nein, sogar ganz im Gegenteil. Der finale Poledance, der das Publikum endgültig in Raserei versetzt, ist lediglich der Höhepunkt, auf den das dreistündige Gag-Feuerwerk in Kim Duddys pointenreicher Inszenierung unaufhaltsam zusteuert (in Deutsch). Die Ausgangsidee - sechs arbeitslose Stahlarbeiter, die ihre Sozialhilfe mit einem improvisierten Auftritt als Stripper aufbessern wollen - dürfte aus dem Film bekannt sein. Und in den Zeiten weiter andauernder Hartz-IV-Diskussionen wohl auch aktueller, als es manchem vielleicht lieb wäre. Worin eine weitere Stärke der spritzigen Musical Comedy von David Yazbek und Terrence McNally liegt. Denn hinter all den Attacken auf die Lachmuskeln blitzt auch der ernste Hintergrund immer wieder auf.

Zentrum des Abends ist dabei Martin Pasching, der mit viel Herzblut den frisch geschiedenen Jerry gibt. Er kämpft verbissen darum, das Sorgerecht für Sohnemann Nathan nicht zu verlieren, und darf mit seiner gefühlvollen Ballade im ersten Akt auch eine weiche Seite zeigen. Die Funken fliegen aber vor allem dann, wenn er gemeinsam mit seinem vollschlanken Kumpel Dave alias Frank Winkels auf der Bühne steht. Zusammen bilden die beiden ein humorgeladenes Dreamteam, das sich gekonnt die Bälle zuspielt und wirklich jeden mitreißt. Seien es nun die Zuschauer oder ihre bunt zusammengewürfelten Kollegen aus der Entkleidungsbranche, die für den neuen Job wirklich die „besten“ Voraussetzungen mitbringen: Überschaubares Bewegungstalent, infantile Unterwäsche, eine knackende Hüfte, Bauch, Muskeln… Wobei die Betonung hier eindeutig auf dem Komma zwischen den beiden letzten Attributen liegt. Abhalten lassen

Testosteron und Tollpatsch

sich die sechs Chippendale-Azubis davon trotzdem nicht. Und das hat so manche skurrile Situation zur Folge, in die man sich immer wieder zielsicher hineinmanövriert.

Erwähnt sei hier nur die misslungene Generalprobe vor einem Haufen rüstiger Seniorinnen. Ein weiterer Pluspunkt der Aufführung ist, dass jeder hier absolut typgerecht besetzt ist. Claus Dam, Eddie Jordan und Máté Kamarás gelingt es, jedem auf seine Art, die Sympathien der Zuschauer zu erobern. Heimlicher Star der Truppe bleibt aber wohl dennoch Rory Six als tollpatschiges Muttersöhnchen Malcolm. Nicht zuletzt dank seinem treuherzigen Hundeblick und einer preisverdächtigen Mary-Poppins-Imitation.

Dass bei so viel Testosteron trotzdem auch die weibliche Fraktion ihren Platz behaupten kann, dafür sorgen neben der resoluten Betty Vermeulen unter anderem Carin Filipcic und Jacqueline Braun, die ihren liebenswerten Losern stimmstark ewige Treue schwören. Womit wir zum Ende schließlich noch bei der wichtigsten Information für die Herren angekommen wären: Ein wenig gesunde Eitelkeit kann zwar nicht schaden. Doch Frauenherzen, die es wert sind, lassen sich auch ohne Waschbrettbauch und gestählten Bizeps erobern. Auf die inneren Werte kommt es an. Aber das haben wir ja schon immer gewusst beziehungsweise gehofft, oder?

Tobias Hell

Vorstellungen noch bis 24. Oktober. Karten und Infos unter Telefon: 089 / 55 23 44 44.

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