Sie starb nach kurzer schwerer Krankheit. Das Foto von Christine Kaufmann stammt aus dem Jahr 2013.

Nachruf

Abschied von Christine Kaufmann: Ein Leben wie ein Hollywoodfilm

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München – Sie war Kinderstar, wurde in Hollywood gefeiert und zur „schönsten Oma der Republik ausgerufen: Christine Kaufmanns Leben hatte viele Facetten. In Bayern ist sie spätestens seit ihrer Rolle in „Monaco Franze“ eine Kult-Schauspielerin. Nun ist sie mit 72 gestorben.

Mit 70, da werde sie ihren größten Triumph feiern, scherzte Schauspielerin Christine Kaufmann vor einigen Jahren in einem Interview. Denn dann komme sie, die niemals beim Schönheits-Operateur unterm Messer lag, groß raus: Sie werde dann die Einzige sein, die Rollen wie Miss Marple übernehmen könne, „weil es sonst keine alt aussehenden Frauen geben wird“. Wie zum Beweis, stand sie in der Saison 2014/2015 noch als skurrile Geisterbeschwörerin in Noël Cowards Schauspiel „Funkelnde Geister“ im Landestheater Linz auf der Bühne. „Das macht mich sehr glücklich. Ich wollte immer diese Rolle der komischen Alten spielen, die schon Margaret Rutherford gegeben hat“, verriet Christine Kaufmann.

Es sollte eine ihrer letzten Rollen sein. Mit 72 Jahren ist die Schauspielerin und Autorin in der Nacht zum Dienstag gestorben. Sie war nach einem Zusammenbruch in ihrer Schwabinger Wohnung in eine Klinik eingeliefert worden. Die Diagnose: Leukämie. Zuletzt hatte sich die Familie sehr besorgt über den Gesundheitszustand der erkrankten Künstlerin geäußert. Bis nach Amerika drang die Nachricht ihrer lebensbedrohlichen Krankheit vor. Denn auch dort war sie seit den 1960er-Jahren ein bekanntes Gesicht. Sogar Schauspiellegende Kirk Douglas ließ via „Bild“-Zeitung Genesungswünsche ausrichten: „Gib nicht auf, Christine, kämpfe weiter!“

Eine Karriere als Kinderstar

Geboren wird sie in Gröbming in der Steiermark als Tochter eines deutschen Offiziers und einer französischen Maskenbildnerin. Von Kindesbeinen an steht sie im Rampenlicht. Erste Schritte ins Showleben macht sie – angetrieben von ihrer ehrgeizigen Mutter – mit sieben Jahren im Ballett des Münchner Gärtnerplatz-Theaters. Nach dem Debüt im Zirkusfilm „Salto mortale“ spielt sie sich als Neunjährige in dem Streifen „Rosen-Resli“ in die Herzen der Kino-Zuschauer.

Die Karriere als Kinderstar war für sie allerdings alles andere als verlockend. „Einerseits wurde ich gefeiert, andererseits kritisiert: Wieso hast du heute Augenringe? Ich war sehr isoliert. Und die Verantwortung, als Neunjährige eine Familie erhalten zu müssen, war fast zu viel für ein Kind“, sagte sie.

Mit 15 Jahren dann die höchste Auszeichnung: Für ihr Hollywood-Debüt in „Stadt ohne Mitleid“ (1961) erhält Kaufmann einen Golden Globe. Die Kritik feiert sie, die an der Seite von Kirk Douglas ein Kleinstadtmädchen spielt und das Opfer einer Vergewaltigung wird. Eine Situation, die sie auch im wahren Leben durchgemacht hat, wie die Schauspielerin einmal im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte. „Ich bin viel allein gereist, durch Afghanistan, Indien, die Türkei. Da gab es traumatische Erlebnisse und sogar eine versuchte Vergewaltigung auf einer Toilette. Diese Erlebnisse begleiten mich bis heute.“ Diese Reisen zeugen von der Selbstständigkeit und dem Lebensmut, die in ihr steckten. Eigenschaften, die sie von ihrer Großmutter erlernt hat. In der Nachkriegszeit habe die ihr beigebracht, wie man aus Nichts etwas machen könne. Und so setzt sich die zarte Deutsche auch in Hollywood durch. Es folgen weitere Engagements in Filmen wie „90 Minuten nach Mitternacht“ (1962) oder „Taras Bulba“ (1962).

Doch die junge Frau macht auch privat Schlagzeilen: 1963 heiratet sie den 20 Jahre älteren Tony Curtis und zieht sich für einige Jahre von der Filmarbeit zurück. Keine glückliche Ehe, wie sie immer wieder in späteren Interviews berichtet. „Ich war für ihn eine hübsche, junge Visitenkarte. Er war immer damit beschäftigt, Tony Curtis zu sein. Ja, wir haben eine amüsante Beziehung gehabt und im schönsten Haus von Hollywood gewohnt. Aber das ist auf Dauer zu wenig.“

Familienleben: Mit Ex-Mann Tony Curtis und Tochter Alexandra im Jahr 1964.

Als die Ehe nach fünf Jahren geschieden wird, kehrt sie mit ihren Töchtern Alexandra und Allegra nach Deutschland zurück. Bei dem erbitterten Sorgerechtsstreit werden die Kinder sogar nach Los Angeles entführt. In Deutschland gelingt ihr das Comeback: Sie ist in Serien wie „Der Kommissar“ und „Derrick“ zu sehen und gewinnt mit Regisseuren des neuen deutschen Films Profil. Sie spielt in Werner-Schroeter-Filmen und dreht 1981 mit Rainer Werner Fassbinder „Lola“ und „Lili Marleen“.

An die Rolle der Olga im „Monaco Franze“ knüpft sie noch mal an

Unvergessen auch ihr Auftritt als Mauerblümchen „Olga“ in Helmut Dietls Kultserie „Monaco Franze“. Ihre Rolle in Linz ist gewissermaßen eine Weiterführung der Olga, verriet Kaufmann in einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“: „Es ist bei älteren Schauspielerinnen ja so, dass sie die Femme fatale spielen – geliftet. Oder die komische Alte. Ich habe im deutschsprachigen Raum meinen größten Erfolg mit ,Monaco Franze‘ gehabt. Und an diese Figur kann ich jetzt wieder anschließen.“

Neben ihrem Theater-Engagement vertreibt sie zuletzt ihre eigene Kosmetiklinie, schreibt Bücher und pflegt mit Leidenschaft das Familienleben. Uralt zu werden war nicht ihr Wunsch. „Ich interessiere mich für ein gutes Leben, nicht für ein langes“, sagte die Schauspielerin vor einiger Zeit. „Ich hab’ so viel erlebt und gesehen, ich war von Hollywood bis zum Himalaja überall und ich liebe die hügelige Landschaft von Österreich und Bayern. Da fühle ich mich zu Hause. Das ist ein Ziel, das ich erreicht habe: Dass ich trotz dieser merkwürdigen Wege, die mir das Leben angeboten hat, eine Art Heimatgefühl entwickeln konnte.“

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