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Reise um die Welt mit 24 Türchen: Wie auf unserem Globus zwischen Jesuskind und Hexe Befana, Mistelzweig und Kopfsülze Weihnachten gefeiert wird.

Das Christkind hat viele Gesichter

München - Irmela Schautz richtet mit ihrem Adventskalender ein „Internationales Nikolaustreffen – Weihnachtsbräuche rund um den Erdball“ aus.

Die Geschenke, die am 24. Dezember unter den geschmückten Christbäumen liegen, bringt das Christkind. Und es ist der Nikolaus, der brave Kinder mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade belohnt, während sich sein Krampus um die unartigen kümmert. So sehen einige der Bräuche in der Weihnachtszeit aus – zumindest in unseren Gefilden.

Wie die Geburt Jesu und die Wochen rund um das Weihnachtsfest auf der ganzen Welt gefeiert werden, erfährt man bis Heiligabend nun Tag für Tag in dem Adventskalender „Internationales Nikolaustreffen – Weihnachtsbräuche rund um den Erdball“. 24 Türchen mit bunten, lustig gestalteten Bildern – Kamele, eine Frau mit Lichterkranz auf dem Kopf und eine Krippe sind beispielsweise darauf zu sehen – zieren die Innenseiten des auf 58,5 mal 32,5 Zentimeter aufklappbaren Kalenders. Hinter den Türen findet man kurze Beschreibungen des Brauches eines bestimmten Landes oder einer Region. Die ausführliche Erklärung gibt es in einem kleinen Heftchen, das zum Kalender gehört. Und dieser hat noch eine andere schöne Seite: Zusammengefaltet auf 42 Zentimeter Breite findet man auf der Außenseite Wegweiser zu den verschiedenen Bräuchen und die Flaggen der Länder, die einem in den kommenden Tagen mit ihren Geschichten erwarten.

Dass in Nordamerika Santa Clause für die Verteilung der Präsente zuständig ist, weiß man aus vielen Filmen, auch das Rentier Rudolph mit der roten Nase kennt heute jedes Kind. Der Vierbeiner ist aber nicht der einzige tierischen Begleiter zur Weihnachtszeit. In Spanien reiten die Heiligen Drei Könige auf Kamelen zu den Kindern, Väterchen Frost (Russland) sitzt auf seinem Weg von Haus zu Haus auf drei Schimmeln. Davon wird am 2. Dezember berichtet.

Auch über die internationalen Kollegen des Christkindes – Weihnachtsmann, Gnome, Trolle und Hexe Befana – erfährt man Interessantes. Selbst Japan widmet Herausgeberin Irmela Schautz ein Türchen. Dort verteilt Priester Hotei-osho, der Augen auf dem Hinterkopf hat, die Geschenke. Und wie viel Weihnachten mit Pokern und Lotterie zu tun hat, erfährt man in den Kapiteln über Italien und Spanien.

Schautz erklärt den Unterschied zwischen Knecht Ruprecht, Krampus, Zwarte Piet und Housekern, warum in Norwegen und Dänemark das Fernsehprogramm so wichtig ist und was ein Schönheitswettbewerb mit der Weihnachtszeit in Schweden zu tun hat.

Und was wäre Weihnachten ohne Essen? Ob eine Mandel im Weihnachtsbrei in Finnland, Kopfsülze in Estland oder Turrón in Spanien, 60 verschiedene Leckereien in Dänemark – nicht nur in Deutschland wird an den Feiertagen geschlemmt.

Welchem Land wir den Brauch, dass man sich unter einem Mistelzweig küsst, zu verdanken haben und wo am 30. November Hochzeiten für das nächste Jahr vorausgesagt werden, steht ebenfalls in dem gut 40 Seiten dicken Heftchen.

Krippen gibt es nahezu auf der ganzen Welt – auch für uns ungewöhnliche Varianten mit Ananas, Mango und Papaya. Eine besondere, weniger appetitliche Krippenfigur lernt man in dem Kapitel über Katalonien kennen. Hier steht doch tatsächlich fast in jedem Haushalt ein Männchen mit heruntergelassenen Hosen neben dem Jesuskind.

Der Kalender ist liebevoll gestaltet und enthält viel Wissenswertes. Trotzdem hat er zumindest einen Fehler: Bei der Erklärung zum Christkind, wie man es in Süd-Deutschland, Österreich und auch Kolumbien kennt, wird berichtet, Martin Luther habe im 16. Jahrhundert den Nikolaus durch den Heiligen Christus ersetzt „und legte den 25. Dezember für den Tag der Beschenkung fest“. Leider wird Heiligabend in dieser Passage aber gar nicht erwähnt. Auch dass das Christkind die Geschenke nur in Österreich unter den geschmückten Baum legt, ist einfach falsch.

Von Andrea Steiler

Adventskalender

Irmela Schautz: „Internationales Nikolaustreffen – Weihnachtsbräuche rund um den Erdball“. Collection Büchergilde, 19,95 Euro.

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