Christus fehlt

- Ein bissel frech ist er schon, der rosa Teppich, der eben kein roter sein wollte. Die Münchner Künstlerin Beate Passow wurde von der Gemeinde St. Markus und dem Bezirksausschuss Maxvorstadt gebeten, mit Kunst im öffentlichen Raum einen Geburtstagsgruß an die Pinakothek der Moderne, die gerade eröffnet wurde, zu formulieren. Aus dem dafür vorgesehenen Topf des Münchner Kulturreferats gab es übrigens keinen einzigen Euro. Passow hat die Rituale von Feierlichkeiten aufgegriffen und _ freundlich bespöttelt: Teppich ausrollen, ja, aber nur da, wo keiner ihn betreten kann, nämlich auf dem vom rasenden Verkehr umbrausten Mittelstreifen zwischen Gabelsbergerstraße und Altstadtring. Immerhin zielt dieser gekrümmte rosa Pfeil treffsicher auf das neue Mega-Museum.

<P>Tiefgründiger ist die Ausstellung im Inneren der Kirche. Dort wurde das Projekt, das das Raymond-Pettibon-Zitat "As long as he suffers there is hope" (solange er leidet, besteht Hoffnung) aufgreift, überzeugend in das neogotische Kirchenschiff integriert. Unauffällig, als hingen sie schon immer hier, sind die Bilder an den Säulen angebracht. Allerdings leuchten sie, wie es sonst nur bunte Glasfenster bei Sonnenschein tun. Berühmte Kreuzigungsdarstellungen _ von Cranach über Grünewald und Murillo bis Dalí´ _ hat Beate Passow in Foto-Leuchtkästen umgewandelt.</P><P>Aber noch etwas ist anders: Es fehlt der geschundene Christus. Zurück bleiben leere Holzbalken und -stämme, mal Trauernde oder Betende, deren Schmerz das Zentrum fehlt, mal völlig menschenleere Tafeln, auf denen nur mehr Dunkelheit und das Folterinstrument Kreuz dominieren. Gerade in den Kontexten Kirche und Kunstgeschichte, in denen man sich bis zur Gleichgültigkeit an Qual-Darstellungen gewöhnt hat, sind solche Irritationen notwendig.</P><P>Gabelsbergerstraße 6; bis 3. November, täglich 10 bis 20 Uhr.<BR>Beate Passows Version der Kreuzigung von dem Meister von 1477: Der leidende Christus wurde entfernt.Foto: Katalog<BR></P>

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