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Poesie in XXL: Das Zirkus-Unternehmen Cirque du Soleil wartet mit über 40 Künstlern auf – das ist beeindruckend, aber nicht berührend (Archivfoto)

Duftfreie Giga-Show

Cirque du Soleil: Die Kritik zur Premiere

München - Poesie in XXL: Bis Sonntag hat die fantastische Welt des "Cirque du Soleil" in der Olympiahalle geöffnet. Die Show ist beeindruckend, aber nicht berührend: die Kritik.

Die einstigen Zirkus-Revoluzzer aus Montréal, die längst zur 5000 Mitarbeiter starken globalen Traumfabrik wurden, bringen ihre Erfolgsshow Quidam jetzt vom Zelt in die ganz große Arena. Und dieser Zirkus bietet wirklich Halli Galli: Luftakrobatik unterm Hallendach, Seilspringen als Actionsport, fliegende Menschen, eine menschliche Fliege, und alles begleitet von einer Live-Rockband. Die Kanadier liefern spektakuläre 360-Grad-Unterhaltung, so weit Augen und Ohren reichen.

Kühn und futuristisch wie die Londoner Wembley Arena sieht die Olympiahalle in diesen Tagen aus. Auch hier steigt die Show unter einem riesigen Lichtbogen, und auch in München steht Champions League auf dem Programm. In diesem Fall: 45 Weltklasse-Akrobaten, die die ganze menschliche Menagerie verkörpern. Denn darum geht es: Dem kleinen Mädchen Zoé ist fad, sie träumt sich in die Welt Quidam, die von schönen Geschöpfen ebenso wie von schrecklichen Gestalten bevölkert wird. Mal bezaubern anmutige Diabolo-Akrobatinnen, mal sorgen grausige Mumien, die von der Decke baumeln, für wohliges Schaudern.

Irgendwas passiert immer auf dieser Bühne beim Circus Olympiahalli-Galli, man weiß kaum, wo man hinsehen und hinhören soll. Und genau hier beginnt auch das Problem. Das Spektakel krankt an seiner schieren Größe. Was fehlt in der Riesenarena, ist die Intimität. Man sieht, außer in den ersten Reihen, nicht in die Augen von Zirkusdirektor John. Man sieht Zoé nicht träumen, die Clowns nicht lachen oder weinen, und die Muskeln der Kraftpakete nicht zittern und schwitzen. So bleibt’s beim circensischen Stadionrock, den man aus der Ferne mehr bestaunt (Fernglas mitnehmen!), als sich mitreißen zu lassen. Und so verdient sich ganz am Ende eine ulkige kleine Clowns-Nummer im Fotostudio, bei der vier Zuschauer mitspielen dürfen, den meisten Applaus. Sie ist mit Herz gemacht, mit Liebe. Sie riecht beinahe nach Sägespänen, im Gegensatz zum Rest des Programms. Denn, das fällt auf: Dieser Zirkus riecht nach gar nichts. Vielleicht liegt’s ja daran, dass man beeindruckt ist, aber nicht berührt.

Jörg Heinrich

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