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Bei der Nummer „Chinese Poles“ stecken die Artisten in Echsen-Kostümen. Foto: Cirque du Soleil

Cirque du Soleil: Das Imperium kehrt zurück

München - Im Frühjahr begeisterte der Cirque du Soleil mit seiner Show „Varekai“ im Olympiastadion. Nun macht eine zweite Produktion des kanadischen Zirkus-Konzerns in München Halt: die nicht fürs Zelt, sondern für große Hallen konzipierte Show „Saltimbanco“.

Es ist alles einen Tick kleiner, wenn der Cirque du Soleil nicht mit dem Zelt anreist. Wenn er kein Parkett und keine Bestuhlung mitschleppen muss, die komplette Ausstattung in 16 Lkw passt und nicht in 60. Doch je mobiler so ein Zirkus ist, desto kürzer bleibt er in einer Stadt - und desto weniger extravagant ist sein Programm. „Wir haben nicht so viel technologisches Equipment dabei“, sagt Maxime Charbonneau, der die Produktion „Saltimbanco“ seit Jahren begleitet. „Es geht hier mehr um die pure Kraft der Athleten, um das, was Menschen zu leisten in der Lage sind.“

Seit 18 Jahren tourt die Show durch die Welt, erst als Zelt-, seit 2007 dann als Arena-Produktion - und insgesamt so lange wie keine andere Gruppe des Cirque du Soleil. Das Erstaunliche: „Über die Zeit hat sich kaum etwas verändert“, sagt Charbonneau. „,Saltimbanco‘ ist ein Klassiker. Eine ideale Einführung in die Welt des Cirque du Soleil.“

Steigen wir also ein in diese bunte, wunderbare Fantasiewelt. Die Geschichte der imaginären Großstadt „Saltimbanco“ ist schnell erzählt: Ihre Bewohner, Menschen aller Kulturkreise, müssen erst lernen, sich untereinander zu verständigen. Anfangs werden sie als kriechende, unförmige Echsen dargestellt, erst durch die Kommunikation untereinander entwickeln sie eigene Persönlichkeiten. Der Plot freilich ist völlig wurscht, er ist nicht mehr als ein Rahmen für die spektakuläre Akrobatik. So altbacken die eine oder andere Nummer auch sein mag - und hier macht sich eben doch bemerkbar, dass die Show ein paar Jahre auf dem Buckel hat -, so präzise wird jede einzelne Bewegung ausgeführt. Zu bestaunen gibt es halsbrecherische Figuren am Trapez, den vorzüglichen Clown Eddy und wahrlich atemberaubende Sprünge von der russischen Schaukel.

Bis zu 15 Meter werden die Artisten dabei in die Höhe katapultiert. „Das ist schon sehr gefährlich, was wir hier machen“, sagt Joy Studer, 22. Die Schweizerin wurde mit 15 von den Talentsuchern des Cirque du Soleil entdeckt, doch erst mit 18, als sie ihre Kunstturn-Karriere wegen zahlloser Verletzungen beenden musste, ließ sie sich in Montreal ausbilden, der Zentrale des 1984 von Guy Laliberté gegründeten Zirkus-Imperiums. Drei Monate lang belegte Studer Kurse in Improvisation, Gesang und Make-up. Seitdem ist sie einer von 1200 Artisten des Cirque du Soleil - und damit ein Teil eines Konzerns, der mit seinen 20 Produktionen und insgesamt 5000 Mitarbeitern 2009 fast eine Milliarde US-Dollar erwirtschaftete.

Alleine in Las Vegas hat der Cirque du Soleil sieben ständige Shows in den großen Casino-Hotels. Und die Kanadier expandieren weiter: Schon bald will man die Radio City Music Hall in New York und das Kodak Theatre in Los Angeles anmieten und mit neuen Programmen dauerhaft bespielen. Nur für die Oscar-Verleihung würde Letzteres dann noch freigeräumt werden.

Bei der Produktion „Saltimbanco“ ist man bescheidener. 49 Artisten aus 21 Ländern arbeiten hier, dazu kommen rund 50 Techniker und andere Mitarbeiter. Die Wienerin Bettina Bolzer zum Beispiel ist Chefin der Garderobe. Zusammen mit drei Näherinnen verwaltet sie ein Inventar von 4000 Stücken. Jeder Charakter trägt während der Show zwei verschiedene Kostüme sowie eine an seine Schädelform angepasste Kopfmaske. Joy Studer etwa hüpft mit roten Spaghetti auf der Birne über die Bühne. Ihre Maske kostet mal eben „40 Arbeitsstunden und ein paar tausend Dollar“, sagt Bolzer. Das Ding wird extra in Montreal angefertigt und anschließend in die Welt verschifft. Die Kostüme darf die Österreicherin zwar reparieren, aber weder verändern noch neu entwerfen. Und weil die Kommunikation mit Kanada stets mit viel Aufwand verbunden ist, „versuchen wir die Katastrophen auf ein Minimum zu reduzieren“, sagt Bolzer und lacht. Das ist alles nicht so einfach, im Zirkus-Imperium.

Thierry Backes

„Saltimbanco“vom 7. bis 12. September in der Münchner Olympiahalle. Die Preise variieren zwischen 53,15 bis 92,50 Euro. Tickets unter 089/ 54 81 81 81.

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