Cirque du Soleil: Ein viel zu kurzer Moment der Magie

München - Am Anfang ist der Weltraum, projiziert auf riesige Leinwände. Dann folgt so etwas wie der Urschrei eines cholerischen Clowns. So beginnt in der Münchner Olympiahalle das neue Programm des berühmten Cirque du Soleil aus Kanada: "Delirium", eine Mischung aus psychedelischen Farben, Akrobatik und Konzerteinlagen, mit großem Aufwand in Szene gesetzt (nur ein kurzes Gastspiel am vergangenen Wochenende).

Die Leinwände sind an den Seiten der überdimensionierten Bühne installiert. Auf sie wird vor dem Hintergrund computererzeugter Farben und Muster die Show projiziert. Die besteht aus einem Gewusel an Akteuren aus 16 Ländern. Ganze Popband-Formationen und Percussion-Gruppen, Sänger und Tänzer, Akrobaten und modernes Clownspersonal tummeln sich über weite Strecken gemeinsam auf der Bühne.

Hier beginnt bereits das Problem dieser Show. Alles wirkt zerfahren, eine aufeinander abgestimmte Choreographie lässt sich nicht erkennen. Links schmettert ein Sänger sein Lied, rechts hinten gehen unverzagte Trommler ihrem Werk nach, schräg davor zeigt eine Schlangentänzerin Akrobatiknummern, und in der Mitte schwebt ein Mann in einem dem Erdball nachempfunden Ballon über der Bühne. Überall gibt es etwas zu sehen, aber nichts bannt den Blick. Stattdessen goutiert das Publikum die Show zurückgelehnt mit höflichem Interesse, das schon allein der Höhe der Kartenpreise geschuldet ist.

Die Zuschauer erleben einen Zirkus, der anstatt auf Magie auf Spezialeffekte setzt. Das ist umso bedauerlicher, da das Ensemble über falbelhafte Artisten verfügt. In welch halsbrecherische Formationen sich beispielsweise vier Kraftakrobaten begeben, sich durch die Luft wirbeln und über den Köpfen wieder auffangen, ist atemberaubend. Sie bieten eine perfekte Symbiose aus Kraft und Artistik. Ihr Problem: Sie werden von den Regisseuren Michel Lemieux und Victor Pilon kaputt inszeniert. Zwischen ihrer Nummer und der von Musikdirektor Francis Collard verantworteten Musik gibt es keinen harmonischen Dialog. Stattdessen wird ihnen von weichgespültem Ethnopop jede Nuance von Dynamik und Dramatik ausgetrieben.

Als man allerdings schon nicht mehr damit rechnet, kommt doch noch der Moment poetischer Magie: Eine Hula Hoop-Tänzerin darf das Zentrum der Bühne beanspruchen und lässt sieben Reifen in virtuoser Hochgeschwindigkeit um gebeugte Beine und gestreckte Füße, angewinkelte Arme und gespannten Hals kreisen.

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