Rasanter Karrierestart: (v.li.) Nepomuk Heller, Matthias Hauck, Josie-Claire Bürkle, Florian Kiermaier und Fridolin Achten.

Band aus München

Claire: "Unser Ziel kennen wir noch nicht"

München - Diese bayerische Band hat es geschafft: Erst Rekordzahlen von Fans im Internet, dann ein Plattenvertrag bei Universal, jetzt die erste Tour. Dabei haben sich die fünf Bayern erst 2012 zusammengetan. Eine Suche nach ihrem Erfolgsrezept.

Völlig entspannt kommen sie daher. In ihren Turnschuhen, ihrer lässigen Kleidung. Auf den ersten Blick eine junge Hobby-Band, wie es derer viele gibt. Doch „Claire“ ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung – die fünf Bandmitglieder haben innerhalb kürzester Zeit nicht nur einen Plattenvertrag ergattert, sondern ganz nebenbei in den USA gespielt, sind beim 20 000-Zuschauer-starken Musikfestival „Melt!“ in Sachsen-Anhalt aufgetreten und waren für die „EinsLive“-Krone – einen der größten deutschen Radiopreise – nominiert. Eine beeindruckende Liste.

Josie-Claire Bürkle (21) lacht ihr herrlich raues, lautes Lachen. Die Sängerin dieser Nachwuchsband kann es selbst nicht so richtig fassen. „Ob wir das geplant haben? Ganz ehrlich: Nein! Bei uns spielt blinder Aktionismus eine große Rolle. Viele Sachen fangen wir einfach an und machen sie.“ Florian Kiermaier (22) und Nepomuk Heller (29) kannten sich vor der Bandgründung schon aus der Schule (dem Pestalozzi-Gymnasium in München), lernten bei der Arbeit in einem Tonstudio den gebürtigen Allgäuer Matthias Hauck (31) kennen und wollten eigentlich nur für einen Film von einem Bekannten Musik machen. Da kam ihnen über gemeinsame Freunde Josie-Claire als Sängerin in den Sinn. Als sie das erste Mal bei ihnen im Studio vorsang, war’s um die Jungs geschehen. „Das hat uns umgehauen! Josie hat noch nie Gesangsunterricht genommen“, schwärmt Gitarrist Kiermaier. „Die Art, wie sie gesungen hat, war so völlig roh. So naiv. Was die Josie hat, ist unglaubliches Talent und eine wahnsinnige Stimme, die einen kleinen Knacks hat und deswegen so speziell ist.“

Tatsächlich ist ihre Stimme geradezu geschaffen für die durchdringende Elektro-Indie-Pop-Musik, die „Claire“ zaubert. Die drei jungen Männer arbeiten mit Synthesizern – das hat stets etwas Träumerisches, etwas aus der Zeit Gehobenes. Verstärkt durch die gehauchte, aber ebenso kraftvolle Stimme der Deutsch-Neuseeländerin entwickeln die Stücke eine Energie, die treibt und intensiv nachwirkt. Dabei sind sie eingängig wie Popmusik. Bürkle probiert ihre Stimme aus, die Jungs produzieren nach dem Prinzip Versuch und Irrtum – „einfach Anfangen und machen“.

Ihr erstes Lied stellten sie ins Internet. 30 000 Mal wurde es angehört. Ein Riesenerfolg. Fand auch Fridolin Achten (20), Schlagzeuger und ein alter Bekannter von Kiermaier. „Als ich das Lied gehört hab, habe ich Flo eine Mail geschrieben und gemeint: Wenn ihr mal einen Drummer benötigt, meldet euch“, erinnert sich Achten, der tatsächlich angerufen wurde und seither zur Gruppe gehört. Und dann? Wieder blanker Aktionismus: Kurz vor Einsendeschluss bewarben sie sich beim „Melt!“-Festival für einen Newcomerband-Auftritt. Und gewannen ihn prompt.

Diesen Mut zum Ausprobieren wollen sie sich erhalten. Ihr Album heißt „The Great Escape“. Der große Aufbruch. Wohin? Erleichtertes Aufatmen in der Runde: „Endlich sagt mal jemand ,Aufbruch‘ und übersetzt es nicht mit ,Die große Flucht‘! Denn wir sind nicht auf der Flucht, wir wollen aufbrechen – aber das Ziel, das kennen wir noch nicht“, sagt Kiermaier. Bürkle nickt: „Wir werden so oft gefragt, wie das nächste Jahr für uns aussieht. Und immer sagen wir: Hey, wir wissen es nicht. Denn wir leben gerade wirklich in den Tag hinein. Das Ziel: Das Beste aus dem Tag zu machen. Aus dem Jetzt.“ Pläne könnten auch bremsen: „Wenn man stattdessen einfach Sachen anpackt und schaut, wo einen das hinbringt, läuft’s immer!“ Optimismus. Er strömt nicht nur aus ihren Liedern heraus.

Eine Angst hatten sie dann aber doch. Davor, nur ein Internet-Hype zu sein, ein hell aufleuchtendes Licht am Himmel des weltweiten Netzes, das schnell wieder verglüht. „Wir verursachen eine virtuelle, quasi real nicht existierende Aufregung. Und das ist schon etwas, vor dem man Sorge hat, wenn man zunächst über das Internet bekannt wird“, sagt Kiermaier. „Doch seitdem wir auf Tour sind, wissen wir: Das ist echt. Die Leute klicken nicht nur ,Gefällt mir‘, sondern sie kommen.“ Und fügt mit einem Lächeln zu: „Wir spielen unsere Shows, die Leute kommen, sie singen mit. Sie sind danach glücklich, und wir sind es auch – so soll es sein. Das ist das, was wir gerade machen. Was dann kommt, wird sich zeigen.“

Konzert

Am Donnerstag Abend in München im Strom (ausverkauft); am 29. März 2014 in Mannheim;

weitere Informationen unter www.claireofficial.com.

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