Einfach nur sitzen und an nichts denken – Augenblicke wie diese sind derzeit rar im Leben von Claudia Koreck. fkn

Neues Album

Claudia Koreck: Zurück aufs Land

München - Claudia Koreck über ihr neues Album, Münchner Mietwahnsinn, bairische Musik und den Druck der Plattenfirmen.

Claudia Korecks fünftes Album „Stadt Land Fluss“ ist ein Familienalbum geworden. Kein Wunder, denn nicht nur Tochter Lani wurde 2014 geboren. Die 28-jährige Traunsteinerin zog auch aus München zurück in die Heimat. Und so erzählt Koreck auf der CD etwa von den Herausforderungen, eine gute Mutter zu sein, von ihrer Stadt-Flucht und von ihrer Sehnsucht nach der weiten Welt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung verrät.

In dem Schlaflied „Sleep little Darling“ für Ihre Tochter Lani singt Ihr Sohn Timmi auch eine Strophe. Wie bringt man einen Dreijährigen dazu, so zu singen?

Mein Mann Gunnar hat das Lied nach der Geburt unserer Tochter geschrieben. Wenn wir samstags frühstücken, greift sich manchmal danach jeder ein Instrument. Und eines Morgens wollte Timmi es in unserem Kellerstudio ins Mikro singen.

Hat sich durch Ihre zweite Schwangerschaft Ihre Stimme verändert?

Ich war ja noch bis zum neunten Monat auf Tour, und die Lieder, die ich zu der Zeit geschrieben habe, konnte ich direkt nach der Geburt nicht mit der gleichen Kraft singen. Da musste ich erst wieder trainieren.

Der Blues „Oide Frau“ ist voller Wut – das ist ungewöhnlich für Sie, oder?

Ich lasse hier meinem Frust freien Lauf. In München gibt es so viele Vermieter – eben auch diese Frau –, die den Hals nicht voll bekommen! Und obwohl sie hochzufrieden sein sollten, gibt es Menschen, die denken, sie müssten andere tyrannisieren.

Ist das auch der Grund, warum Sie „In da Wiesn“ singen: „Dann lauf ma allen davon“? Wovor wollten Sie zuletzt flüchten?

Wir sind jetzt zurück aufs Land gezogen, was die erste rationale Entscheidung war, die ich seit Langem getroffen habe. Ich wollte nicht pro Monat 2000 Euro Miete zahlen. Wir sind auch während der Tour auf meine Eltern angewiesen. Sonst müssten die Kinder jeden Tag fünf Stunden im Auto sitzen und ihre Abende in Hallen verbringen.

Die Musikindustrie kann enormen Druck aufbauen. Wurde von Ihnen mal verlangt, sich zu ändern?

Ich habe mich gewehrt, mich gerade wegen dem fröhlichen „Fliang“ in eine Ecke pressen zu lassen. Das wollte ich mit der zweiten CD torpedieren. Sie war zurückgenommener, melancholischer. Aber wenn jemand, kurz bevor du auf die Bühne gehst, sagt: „Du solltest zehn Kilo abnehmen“, tut das weh.

Wurden Sie auch mal gedrängt, Hochdeutsch zu singen?

Man sagt, dass es das außerhalb Bayerns leichter macht. Aber ich liebe den weichen Klang der bairischen Sprache.

Als Sie angefangen haben, waren Sie eine der wenigen jungen Künstlerinnen, die Bairisch gesungen haben. Inzwischen gibt es viele. Wie finden Sie diese Entwicklung?

Es ist immer schwierig, wenn etwas plötzlich von allen zu einem Hype aufgebauscht wird. Das bedeutet auch, dass es irgendwann zu viel wird und zurückgeht. Am Ende steht die Frage, was bleibt.

Im Gegensatz dazu klingt das Lied „Barcelona“ nach der großen weiten Welt und nach dem Broadway. Wie haben Sie diesen Klang gefunden?

Die Bläser haben wir in München aufgenommen. Für die chromatische Mundharmonika wie Stevie Wonder sie spielt, haben wir auf Youtube Marcus Milius aus New York entdeckt. Er bekam den Track von uns und hat darauf gespielt. Als Gunnar dann zum Mischen in New York war, besuchte er ihn – der hat seinen Augen nicht getraut! Er war vor allem überrascht, dass Gunnar seine Gage dabei hatte.

In „Frei“ ist Ihre Definition von Freiheit Couch, Wein und Pizza. Ist es so leicht, Claudia Koreck glücklich zu machen?

(Lacht.) Als Mama ist man nonstop für andere im Einsatz, hat wahnsinnig viele Sorgen. Und da sind solche Momente Gold wert, in denen man an nichts denken muss, einfach nur sitzen und sein kann.

Das Gespräch führte Angelika Mayr.

Claudia Koreck:

„Stadt Land Fluss“ (Universal Music).

Claudia Koreck stellt ihr neues Album am 12. März in Erding (Stadthalle) und am 19. März in Murnau (Kulturzentrum) vor.

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