Clown im Glück

- Auf dem Boden der Manege sitzt Oleg Popov im Licht-Oval, nach welchem er zuvor zu haschen suchte. Selig saugt er den Duft einer Rose ein. Die Weisheit dieser Szene bleibt auf immer im Gedächtnis. Popov lebt - realiter heute im oberfränkischen Egloffstein. Der jetzt 34-jährige Martin Stommel nahm sich nicht nur Popov zum Thema. Als er 1998 zum ersten Mal in eine "Roncalli"-Vorstellung geriet, erkor er sich den Zirkus zum Motiv. Stommel bevorzugt die weicheren, unbunten Farbtöne. Jetzt brachte das Ismaninger Kallmann-Museum rund 30 Gemälde sowie mehr als 30 Zeichnungen, Aquarelle und Ölskizzen zusammen _ fast nur Zirkusbilder: die Szenerie und ihr Publikum.

Denkwürdig nun schon und nicht mehr wiederholbar: der demnächst 80-jährige Weißclown Francesco Caroli, Gianni "Fumagalli" Huesca und Bernhard Paul als Clown Zippo in ihrem köstlichen Spiel "Bienchen, Bienchen, gib mir Honig!" Dazu "Fumagalli" solo: Stommel verehrt ihn über die Maßen. Außerdem den Kraft- und Balance-Akrobaten Tony mit seinem 2002 bei Krone vollführten Handstand auf zwei Besucherköpfen. Stommel ist allemal gut in der Skizze und Vereinzelung.

Die Metaphorik des Zirkus wird übertragen in Bild-Metaphern: Wo das Schwingen der Körper in der Trapez-Artistik, im ganz kurzen Moment zwischen Fangen und Greifen, Symbolkraft gewinnt. Das Publikum erscheint maskenhaft und gespenstisch wie bei Goya und Daumier, fratzenhaft und trostlos, albern. Die Existenzform des Artisten ist die eigentliche. Seine stupende Meisterschaft demonstriert Stommel in seinen Zeichnungen. Eine vornüber gebeugte Balletteuse - weint sie, ist sie erschöpft? - hat die Qualität eines Kollwitz-Blattes.

Dass auch Hans Jürgen Kallmann, der Stifter dieses Museums, Artisten zu malen wusste, zeigt ein begrüßenswerter Anhang - mit einem Konterfei des großen Ernst Schröder als eine Art Pierrot. Reinhard Müller-Mehlis

Bis 18. Mai, Di.-So. 14.30-17 Uhr; Tel. 089/ 961 29 48.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare