Clown und Playboy

- Das Schöne an Paolo Conte ist, dass er nichts allzu ernst zu nehmen scheint. Dass der gelernte Rechtsanwalt, der aussieht wie ein Weinbauer, alles beherrscht - Jazz, Fandango, Pop, Cha Cha Cha, Tarantella, Salonmusik - und es so wirken lässt, als sei es überhaupt keine Arbeit.

<P class=MsoNormal>In der Münchner Philharmonie sprach der graue Signor hinterm Flügel wie gehabt kein Wort - und riss das Publikum dafür mit seinen windschiefen Liedern wie selbstverständlich mit. Contes Band entwarf mit der Beiläufigkeit echter Könner das schwerblütige Umfeld aus Marimba, Fagott, Gitarre und Bläsern, in dem der alte Bärbeiß seine zerschossene Stimme knarzen ließ wie eine durchgesessene alte Couch. Tom Waits macht das ganz ähnlich, nur ist dessen Welt um einiges düsterer als die des Mannes aus Asti.</P><P class=MsoNormal>Dessen Aura ist eher die eines Playboys, der die Welt geschmeckt hat und der seinen verblassten Erinnerungen nun bei ein Gläschen Rotwein ein heiseres Ständchen darbringt. Die Ballade "Bambola" oder der beschwingte "Sandwich Man" vom aktuellen Album "Elegia" passten sich genauso hervorragend ins Repertoire ein wie die alten Klassiker "Genova per noi" und natürlich "Via con me". Obwohl Conte schon 68 Lenze zählt, brachte er diesen beschwingten Gassenhauer immer noch so sexy wie eh und je.</P><P class=MsoNormal>Ansonsten gab Conte wieder den Clown: ärgerte die Kollegen, die ihn vierhändig auf dem Klavier begleiteten, kratzte sich linkisch, blinzelte nach jedem Stück wie überrascht ins Scheinwerferlicht und wand sich unter dem frenetischen Beifall seiner Fans, als sei das nun wirklich zu viel des Guten. Dabei wusste er doch ganz genau, dass sie ihn am Ende nicht würden gehen lassen.</P>

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