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Coldplay sprühen wieder vor Lebensfreude und haben die Melancholie - fast - hinter sich gelassen.

CD-Kritik

Das neue Coldplay-Album: Zwei Takte und – bumm!

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München - „A Head full of Dreams“, das siebte Album der britischen Band Coldplay, ist ab jetzt im Handel. Unsere CD-Kritik

Es gibt diese Alben, die musst du ein paar Mal hören, bevor sie wirken. Und es gibt Coldplay. Zwei Takte und – bumm! Drin im Herzen. Hinein in die Traumwelt innerhalb von fünf Sekunden. „A Head full of Dreams“ ist es überschrieben, das siebte Album der Briten. Der Ausruf „lang ersehnt!“ trifft hier nicht ganz zu, gerade mal eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Opus „Ghost Stories“ bringen sie es auf den Markt. Und das – klar – in der Adventszeit. Doch auch ohne Konsum-Anheizer Weihnachten ist es für Coldplay eine sichere Nummer.

Nach all den melancholischen Geistergeschichten geht’s hier wieder lebensbejahend zu. Das verraten schon Titel wie „A Hymn for the Weekend“ – ein Lobgesang aufs Wochenende; und was für einer. Beyoncé hat mal eben im Studio vorbeigeschaut, um diese clubtaugliche Popnummer zu versüßen wie der Cocktail den Samstagabend.

Dagegen fällt „Adventure of a Life Time“ deutlich ab. Die Beats, die da das klopfende Herz simulieren sollen, sind das einzig Treibende in dieser Nummer. Frontmann Chris Martins einprägsame Zauberstimme, die aus irgendeinem Grund sonst direkt das Gefühlszentrum trifft, bringt die Refrainzeile „I am alive again“ zu unlebendig herüber. Partysound aus der Konserve, zu sehr in die Länge gezogen, schade.

Umso mitreißender ein Song, der nur dem Titel nach vor Lebensfreude sprüht: „Fun“ – ein in Noten verwandeltes Resümee einer glücklichen Beziehung, die schmerzvoll endete. Und doch voller Zuversicht: „Ich weiß, es ist vorbei. Aber hatten wir nicht Spaß zusammen?“ Was schön war, kann niemals unnötig gewesen sein. Versöhnliche Einsicht, liebevolle Schlussbotschaft von Martin an Exfrau Gwyneth Paltrow – nachdem er auf dem Vorgängeralbum noch so hingebungsvoll den Trennungsschmerz zelebrierte. Überhaupt: Keiner kann so schön jaulen wie der Coldplay-Sänger. Damit ist freilich nicht der Gesang gemeint, sondern die Stimmbandspiele, die er dabei betreibt. Doch natürlich fehlen auch die ruhigen, balladenartigen Nummern nicht. Einem wie Martin gelingt es mühelos, selbst ein Loblied auf den „Amazing Day“ noch melancholisch-sehnsuchtsvoll rüberzubringen. Wo andere fröhlich singen „Dieser Tag ist so wunderbar!“, klingt bei ihm immer ein „Oh je, er könnte bald enden“ zwischen den Zeilen durch.

Viel wurde spekuliert, ob auch die Geschichte der Band nun, nach 20 Jahren und knapp 50 Millionen verkaufter Alben weltweit, enden könnte. Es ist müßig, darüber zu grübeln – 2016, zum Jubiläum kommt erst einmal die große Stadiontour. Man sieht sie schon, die Fans, wie sie sich zu dem Titelsong „A Head full of Dreams“ hüpfend wegträumen und bei den etwas lang geratenen, Coldplay-typischen „Oh, oh, oh“-Ausrufen leidenschaftlich mitsingen; diese Nummer funktioniert nur richtig laut, sonst dämmert man dahin. Wie gut, dass danach gleich „Birds“ folgt, bei dem die Beine ganz von allein anfangen, hibbelig zu werden, bereit für die Wochenendhymne, die dann kommt – Vogelgezwitscher inklusive. Wer sich fragt, wessen tiefe Stimme in den Zwischenspielen „Kaleidoscope“ und „Colour Spectrum“ zu hören ist, wird überrascht sein. Es ist Barack Obama, der „Amazing Grace“ darbietet. Den US-Präsidenten als Gastsänger – was soll da noch kommen? Die Hoffnung ist: viele lebensfrohe Alben wie dieses!

Coldplay:

„A Head full of Dreams“ (Warner Music).

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