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Heute als Mrs. Higgins: Cornelia Froboess in „My Fair Lady“ am Gärtnerplatztheater.

„My Fair Lady“ am Münchner Gärtnerplatztheater

Cornelia Froboess: „Es ist wie ein erstes Mal“

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Vor 34 Jahren spielte Cornelia Froboess die Eliza in „My Fair Lady“ am Münchner Gärtnerplatztheater. Jetzt kehrt sie ans Haus zurück und gibt Mrs. Higgins in Josef E. Köpplingers Neu-Inszenierung des Musicals. 

München – Es waren die Achtzigerjahre – die Theaterstadt München produzierte einen Höhepunkt nach dem anderen. Und so setzte am 2. März 1984, dem Faschingswochenende, auch der Gärtnerplatz zum Gipfelsturm an: August Everding inszenierte das Frederick-Loewe-Musical „My Fair Lady“. Das Besondere daran: Erstmals durfte ein Regisseur die bis dahin vom Broadway festgeschriebenen Regievorgaben ignorieren und frei umgehen mit Konzept und Stil. Der Clou aber und die Garanten für den großen Erfolg waren die Hauptdarsteller, die sich der damalige Gärtnerplatz-Intendant Hellmuth Matiasek von den Münchner Kammerspielen ausgeliehen hatte: Helmut Griem als Higgins, Lambert Hamel als Doolittle und Cornelia Froboess als Eliza. Das ist 34 Jahre her. Wenn am Faschingsdienstag erneut „My Fair Lady“ am Gärtnerplatz Premiere hat, diesmal in der Regie von Theaterchef Josef E. Köpplinger, ist noch eine aus dem alten Team mit dabei – nämlich Froboess, jetzt als Mrs. Higgins.

Im Jahr 1984 als Eliza: Cornelia Froboess in „My Fair Lady“.

Hat Sie das Rollenangebot überrascht? Mussten Sie dazu überredet werden, oder haben Sie sofort zugesagt?

Cornelia Froboess: Es kam ganz aus heiterem Himmel. Köpplinger ist ja ein einfallsreicher Mensch, er wird sich schon was dabei gedacht haben. Dass ich zugesagt habe, ist eigentlich Schuld meines Mannes. Er hat gemeint: Das musst du machen, das ist doch herrlich.

Sie haben schon einmal eine ähnliche, ebenfalls kleine Rolle gespielt, nämlich in Dieter Dorns Abschiedsinszenierung „Das Käthchen von Heilbronn“, und zwar die Gräfin Helena, Mutter des Wetter vom Strahl.

Froboess: Ja, das habe ich dem Dorn zuliebe getan, und jetzt spiele ich die Mrs. Higgins dem Köpplinger zuliebe.

Was bedeutet für Sie die Rückkehr auf die Gärtnerplatzbühne?

Froboess: Komischerweise gar nichts. Ich gerate auch auf der Probe kein einziges Mal in so einen Erinnerungsstrudel. Ich bin ganz unschuldig eingetaucht in diese alte Mrs. Higgins, die ihren Sohn sehr gut kennt, auch seine Eskapaden. Und wenn ich die Eliza das erste Mal treffe, ist es mir, als hörte ich das alles auch wirklich zum ersten Mal. Ich fühle mich hier gar nicht als die Conny oder die Froboess, ich fühle mich richtig als die Mrs. Higgins. Was macht mein Sohn da wieder? Was werden meine Freundinnen zu diesem neuerlichen Experiment sagen? Trotzdem glaube ich, dass sie diese Verrücktheit ihres Sohnes irgendwie auch sehr gern hat. Und dennoch denkt sie: Eigentlich geht das, was er mit Eliza macht, gar nicht; man kann sich einen Menschen nicht einfach so zurechtbiegen.

Sie haben am Gärtnerplatztheater zehn Jahre lang die Eliza gespielt. Ist es jetzt nicht doch so etwas wie heimkommen?

Froboess: Ich war kürzlich in der Vorstellung „Der Klang der ungespielten Töne“ von Konstantin Wecker und Michael Dangl – unserem Professor Higgins übrigens –, die ein fantastischer Abend ist. Da hatte ich, als ich in der Rangloge saß, das erste Mal das Gefühl: Ah, jetzt bin ich wieder in diesem schönen alten Haus; das ist der Zuschauerraum, wie er immer war. Alles andere hinter der Bühne ist ja Neubau. Da ist alles ganz anders, ganz neu, auch die Garderoben. Also insofern bin ich nicht heimgekehrt, außer, dass ich noch ein paar wenige, ältere Mitarbeiter wiedergetroffen habe.

Die „My Fair Lady“ wird diesmal in einer bayerischen Fassung gespielt. Sie aber sind Berlinerin…

Froboess: Dazu kann ich gar nichts sagen. Meine Mrs. Higgins spricht Hochdeutsch.

Früher wurde diese Rolle üblicherweise mit den großen alten Damen unter den Schauspielerinnen besetzt, zum Beispiel in München mit Angela Salloker.

Froboess: Sagen Sie bloß, ich bin keine große alte Dame…

Na ja, heute sind Frauen in diesem Alter doch ziemlich anders als noch vor 35 Jahren, irgendwie frischer, jugendlicher.

Froboess: Das stimmt schon. Also ich glaube, die Mrs. Higgins findet durchaus Gefallen an diesem Filou, der ihr Sohn ist. Sie selbst hat doch auch etwas davon. Wir wissen ja gar nicht, wer der Mann von ihr und wer der Vater ihres Sohnes war. Der kommt gar nicht vor, auch in Shaws Stück „Pygmalion“ nicht, der Vorlage für das Musical. Vielleicht war der Vater irgendein Soldat? Vielleicht ist Higgins auch ein unehelicher Sohn? Könnte doch sein. Gesellschaftlich gesehen, natürlich skandalös. In unserer damaligen Aufführung spielte übrigens später Lola Müthel die Mrs. Higgins. Die war zwar eine große Dame, aber hatte doch immer auch etwas Verwegenes.

In welcher Zeit ist die aktuelle „My Fair Lady“ angesiedelt?

Froboess: Sie spielt in der originalen, der viktorianischen Zeit. Es wäre sinnlos, die Geschichte ins Heute zu übertragen. Heute werden, anders als früher, Dialekte gesprochen, ohne dass es eine soziale Verunglimpfung darstellen würde.

Sie haben Ihre letzte Eliza nach zehn Jahren 1994 abgegeben.

Froboess: Mit meinem 50. Lebensjahr hatte ich gedacht: Ich will nicht werden wie Marika Rökk. Mit Spagat auf der Bühne und Purzelbaum vom Stuhl – das fand ich in meinem Alter plötzlich alles ein bisschen blöde. Und da habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr spielen möchte. Fürs Haus war es eine Katastrophe.

Sie trugen damals wundervolle Kostüme. Waren Sie je versucht, ein Kostüm, zum Beispiel jenes, in dem Eliza beim Pferderennen erscheint, zu erwerben?

Froboess: Nein, das Bedürfnis hatte ich nie. Aber die Schneiderei hat mir jetzt vier Anproben-Fotos geschenkt. Und die finde ich ganz toll. Allerdings sehe ich da doch etwas sehr brav aus. Die Kostüme, die ich heute vielleicht gerne besitzen würde, waren eher die von Lulu, die ich an den Kammerspielen gespielt habe. Da waren Kleidungsstücke dabei, die man heute zu bestimmten Anlässen wieder anziehen könnte. Ansonsten trage ich doch lieber meinen eigenen Stil. Das muss ich in diesem Zusammenhang noch erzählen: Als ich 2010 zur Jury der Berlinale gehörte, fand ich in meinem Hotelzimmer einen voll behängten Kleiderständer vor. Was soll das denn, fragte ich. „Ja, das ist Ihre Garderobe“, wurde mir geantwortet. Tut das alles raus, auch den Schmuck, (der ebenfalls bereit lag), ich habe meine eigenen Sachen mit. Ich hatte nicht gewusst, dass man bei solchen „Events“ die Kleider gestellt bekommt, ich fühlte mich regelrecht gekränkt. Ich hatte mich in diesen Berlinale-Tagen angefreundet mit Renée Zellweger, die auch zur Jury gehörte. Die hatte ich die ganze Zeit über nur im Jogginganzug gesehen. Wir sahen drei Filme am Tag und lümmelten gemütlich in den Kinosesseln. Dann kam der Abend der Bären-Verleihung, und ich habe Renée Zellweger nicht mehr erkannt. Die war in ihrer leuchtend blauen Robe völlig verändert, sie war ein ganz anderer Mensch. Das hatte mich sehr befremdet. Ich will privat nie derart verkleidet werden.

Noch einmal zu „My Fair Lady“. Sie werden nicht alle Vorstellungen spielen, sondern alternieren mit Gisela Ehrensperger. Haben Sie so wenig Zeit?

Froboess: Ich will mich nicht so lange so fest binden. Ein Film steht im Raum. Es gibt Angebote vom Fernsehen. Aber trotzdem: Bühne ist schon etwas anderes als Film und Fernsehen. So ein ganzer Abend auf den Brettern, das ist einfach unschlagbar.

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