+
Das Treffen der Schauspiel-Hochkaräter Cornelia Froboess (re.) und Sibylle Canonica hätte die Premiere von David Mamets neuem Stück „Die Anarchistin“ im Münchner Residenztheater werden sollen. Doch nach einer halben Stunde musste am Samstag die Vorstellung abgebrochen werden.

Premiere im Residenztheater abgebrochen

Cornelia Froboess: Kollaps auf der Bühne

München - Schock bei der Premiere von "Die Anarchistin" im Residenztheater: Nach rund einer halben Stunde musste die Premiere abgebrochen werden. Hauptdarstellerin Cornelia Froboess hatte einen Schwächeanfall erlitten.

Mit großer Vorfreude erwarteten am Samstagabend die Münchner Schauspielkunst-Gourmets die Premiere von David Mamets neuem Stück „Die Anarchistin“ im Residenztheater. Schließlich durften sie auf das Hochkaräter-Duo Cornelia Froboess und Sibylle Canonica gespannt sein. Umso tiefer war das Bedauern, als die Premiere der deutschen Erstaufführung nach rund einer halben Stunde abgebrochen werden musste. Froboess, die in der Titelrolle zu erleben sein sollte, hatte einen Schwächeanfall erlitten.

Als Cathy, die mittlerweile schon 35 Jahre wegen Terrorakte im Gefängnis eingesessen ist, war sie schon das zweite Mal von der Bühne gegangen – entgegen dem Stück. „Ich will in meine Zelle zurück“, hatte die Schauspielern noch ganz in ihrer Figur gesagt – aber wohl möglichst schnell die rettende Bühnengasse erreichen wollen. Nachdem dann der Eiserne Vorhang herabglitt und Canonica als Justizbeamtin Ann sowie die gesamte Bühne verdeckte und dafür Hausherr Martin Kušej vors Publikum trat, glaubten nur noch die ganz Hoffnungsvollen an einen Regieeinfall.

Sympathisch offen erklärte der Intendant, der das vor ein paar Tagen in New York uraufgeführte Werk, auch inszeniert hatte, dass er ratlos sei: „Ich habe das noch nicht erlebt.“ Kušej selbst hatte das Unglück nicht kommen sehen. Denn er gehört zu der Sorte von Regisseuren, die die Premiere nervlich nur ertragen, wenn sie sich irgendwo abseits aufhalten – „bei einem Glas Rotwein“, wie der Prinzipal bekannte. Sodann versprach er schnelle Informationen und eilte hinter die Bühne zu Cornelia Froboess.

In dem Moment wurde einem klar, dass die schwache Stimme der Künstlerin nicht der problematischen Akustik des Bühnenbilds geschuldet und ihre fahle Haut nicht dem Können der Maske zu verdanken war. Vielmehr hatte die großartige Schauspielerin mit aller Disziplin versucht durchzuhalten. Vergeblich. Der Intendant musste schließlich erklären, der Arzt habe Froboess betreut und es sei an ein Weiterspielen nicht zu denken. „Mein Herz klopft“, sagte er bestürzt und lud die Zuschauer zum Trost „auf ein Glas“ ein. Die reagierten mit herzlichem Applaus und Genesungswünschen, nachdem eine Dame aus dem Parkett „Gute Besserung“ gerufen hatte.

Wie aus dem Residenztheater gestern zu erfahren war, geht es Cornelia Froboess inzwischen wieder gut. Unklar ist allerdings noch, ob die Premiere nun an diesem Freitag stattfindet – dann steht „Die Anarchistin“ das nächste Mal regulär auf dem Spielplan. Das Theater will nun gemeinsam mit seiner Hauptdarstellerin baldmöglichst eine Entscheidung treffen. Was die Eintrittskarten angeht: Sie können an der Kasse des Bayerischen Staatsschauspiels umgetauscht oder zurückgegeben werden.

Von Simone Dattenberger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich liebe Happy Ends!“
Sie trifft den Puls ihrer Generation. Am Samstag kommt die Poetry-Slammerin Julia Engelmann in den Münchner Circus Krone, Restkarten gibt es mit etwas Glück an der …
„Ich liebe Happy Ends!“
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück

Kommentare