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Corona-Alarm in Bayreuth: Wer dirigiert den „Ring des Nibelungen“?

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Von: Markus Thiel

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Cornelius Meister
Ein paar zusätzliche Hemden darf sich gerade Cornelius Meister einpacken. Er ist bei den „Ring“-Proben eingesprungen. © Matthias Baus

Pietari Inkinen, eigentlich für den Bayreuther „Ring“ vorgesehen, ist an Corona erkrankt. Für ihn leitet „Tristan“-Dirigent Cornelius Meister die Proben. Übernimmt er nun alles?

Alarmstufe Rot, das ist derzeit der Normalzustand im Bayreuther Betriebsbüro. Zig Corona-Kranke haben die Festspiele zu beklagen – und das vor dem Start am 25. Juli und mitten in der heißen Probenphase. Sängerinnen und Sänger wechseln munter von der einen zur anderen Produktion oder werden kurzfristig von auswärts geholt. Und nun hat es auch noch einen auf der Schlüsselposition schlechthin erwischt: Dirigent Pietari Inkinen, er ist für die vier Opern des neuen „Ring des Nibelungen“ engagiert.

Für ihn leitet derzeit Cornelius Meister die Orchesterproben. Der Stuttgarter Generalmusikdirektor ist für die Neuproduktion von „Tristan und Isolde“ vorgesehen, hat den „Ring“ aber drauf und ist am Grünen Hügel mühelos greifbar. Nicht nur die Festspiele haben die Situation bestätigt, auch Meister selbst hat auf Twitter inklusive Foto mitgeteilt: „Mit viel Schwung probe ich zusätzlich zum #BFTristan22 den #BFRing22. Das Vertrauen der Mitglieder des Festspielorchesters @WagnerFestival ist großartig, gemeinsam haben wir viel Freude.“ Ein sonniger, sehr selbstbewusster, in dieser schwierigen Lage nicht unbedingt stilbewusster Tweet, der ihm von manchen Mitwirkenden bis in hohe Festspielkreise übelgenommen wurde.

Thielemann wird wohl nicht eingreifen

Noch ist offen, ob Meister tatsächlich auch die „Ring“-Premiere dirigiert. Ab der Generalprobenwoche hätte er inklusive aller Premieren 13 Einsätze in 16 Tagen zu bewältigen. Das ist nicht nur körperlich mehr als anstrengend, sondern auch künstlerisch ein Parforce-Ritt. Bis zu diesem Freitag soll eine zumindest vorläufige Entscheidung fallen, da beginnen die Hauptproben.

Theroretisch wäre es möglich, dass Christian Thielemann kurzfristig eingreift, wenigstens für einzelne „Ring“-Stücke. Er ist in Bayreuth heuer nur für den „Lohengrin“ gebucht. Doch der ehemalige Musikdirektor der Festspiele reist in der letzten Juli-Woche für Konzerte der Wiener Philharmoniker nach Salzburg. Auch bei Routinier Axel Kober, in Bayreuth mit dem „Tannhäuser“ betraut, gibt es offenbar Terminschwierigkeiten.

Wer die Hauptproben am Hügel leitet, so dort die Haltung, der solle auch die Premieren dirigieren. Mehrere Möglichkeiten tun sich nun auf: Inkinen könnte rechtzeitig gesunden. Oder Meister übernimmt tatsächlich alles. Oder er gibt den „Tristan“ ab und konzentriert sich auf den „Ring“. Oder Festspiel-Leiterin Katharina Wagner gelingt es, noch einen anderen Dirigenten oder eine Dirigentin ins Boot zu holen. Das wäre nicht das erste Mal, Hartmut Haenchen etwa übernahm 2016 kurzfristig von Andris Nelsons den „Parsifal“. Außerdem gibt es auf dem Wagner-Markt durchaus erfahrene Kapellmeister à la Marek Janowski, die den „Ring“ schultern könnten.

Was in der Misere noch hinzukommt: Inkinen und Meister haben vollkommen unterschiedliche Tempo-Auffassungen. Letzterer ist viel langsamer als sein Kollege, wie erzählt wird. In der Inszenierung von Valentin Schwarz würde es dadurch fast zu Leerstellen kommen. „Freitag wissen wir mehr“, fasst ein Musiker die Situation zusammen.

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