Country-Trio Dixie Chicks räumt bei Grammys ab

Los Angeles: - Los Angeles - Das Country-Trio Dixie Chicks ist der große Gewinner der Grammys. Die wegen ihrer Kritik am Irakkrieg in den USA lange boykottierte Frauen-Band bekam bei der Verleihzeremonie am frühen Montag in Los Angeles den begehrtesten aller Preise überreicht, den Grammy für das Album des Jahres ("Taking the Long Way"). Filmbericht<br>

Auch der Song "Not Ready To Make Nice" (in etwa: "Nicht bereit zum Bravsein") erwies sich als Joker: Er heimste den Preis für die beste Single ein. Insgesamt behaupteten sich die Chicks in fünf Kategorien - und krönten damit jede ihrer Nominierungen mit einer Trophäe. "Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos", bekannte Natalie Maines vor dem Galapublikum im Staples Center. Maines hatte 2003 im Vorfeld des Irakkrieges mit ihrer Kritik an US-Präsident George W. Bush den mehrjährigen Boykott ihrer Gruppe durch amerikanische Countrysender heraufbeschworen. Die Frauen hatten sogar Morddrohungen erhalten. Ihr Grammy-Segen wurde von Kritikern in ersten Reaktionen als Versöhnungsgeste der Musikindustrie gewertet.

Ein glänzendes Comeback gelang auch der Soul-Diva Mary J. Blige (35), die mit ihrem Album "Breakthrough" (Durchbruch) dreifach geehrt wurde. Sie nahm unter Tränen den ersten Grammy ihres Lebens an - für das "Beste R&B Album". "Ich danke Gott für das Album und für die Auszeichnung", sagte Blige, deren CD sich weltweit schon sechs Millionen Mal verkauft und der schwarzen Sängerin ein Dutzend Preise eingebracht hat.

Zu Mehrfachgewinnern wurden auch die Red Hot Chili Peppers. An die kalifornischen Band gingen die Grammys für das beste Rockalbum ("Stadium Arcadium"), den Rocksong und die Rockmusik einer Gruppe: "Dani California".

Grammy-Erfolg auch für die Folk-Ikone Bob Dylan: Sein viel gepriesenes Album "Modern Times" wurde zum besten zeitgenössischen Folk-Album ernannt. Dylan gewann mit dem Song "Someday Baby" auch den Titel des besten Solo-Rocksängers. Dagegen ging Hollywood-Komponist Hans Zimmer mit seinem Soundtrack zum zweiten Teil des Piratenfilms "Fluch der Karibik" leer aus.

Zu den anderen herausragenden Gewinnern der 49. Grammy-Nacht gehörten Gnarls Barkley mit dem Hit "Crazy", Christina Aguilera, Beyoncé, Justin Timberlake und Timbaland, The Black Eyed Peas, Pharrell Williams, John Legend und Madonna. Carrie Underwood wurde als "beste neue Künstlerin" ausgezeichnet. Die 23-Jährige nahm die begehrte Trophäe aus den Händen von Jazzlegende Nat King Cole entgegen. Underwood hatte ihre Karriere erst 2005 mit einem Gewinn bei der Castingshow American Idol gestartet.

 Filmbericht

Der Jazzsänger Tony Bennett und die Soul-Legende Stevie Wonder kamen mit ihrem gemeinsamen Song "For Once in My Life" zu Grammy-Ehren. Das Lied hatte der blinde Stevie Wonder bereits als 17-Jähriger komponiert. Tony Bennett bedankte sich bei seinem Partner mit dem Kompliment "Stevie Wonderful". Die Popsängerin Christina Aguilera erntete mit einem Tribut an den toten "Godfather of Soul", James Brown, begeisterten Beifall. Die 26-Jährige trug Browns berühmten Song "It's a Man's Man's World" im weißen Anzug vor und ahmte dessen "Verrenkungen" nach, die sein Markenzeichen waren.

Die Grammy-Feier brachte das britische Rock-Trio Police nach jahrzehntelanger Trennung erstmals wieder zusammen. Nach dem gemeinsamen Auftritt von Sting, Stewart Copeland und Andy Summers hoffen Fans nun auf ein echtes Comeback - mit nachfolgendem Album und ausgedehnter Tournee.

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