Cuvilliés-Theater: Rein mit dem Opernstudio

München - In welcher Art und Weise wird das Münchner Cuvilliés-Theater dauerhaft mit Leben erfüllt, wenn es denn an diesem Samstag mit Glanz und Gloria und mit Mozarts "Idomeneo" wiedereröffnet sein wird? Was findet in dem Rokoko-Haus statt, wenn nicht das Bayerische Staatsschauspiel mit seinen Aufführungen dort präsent ist?

Wird das Haus - jenseits des Schauspiel-Programms - eher einem Gemischtwarenladen mit gesellschaftlichen Events ähneln oder doch in erster Linie eine Stätte des Musiktheaters sein?

Gilt hier der Grundsatz: Wer zahlt, schafft an; also das Finanzministerium? Oder wird man sich doch - notwendigerweise - auf den kulturpolitischen Auftrag des Freistaats besinnen und das Cuvilliés-Theater konzeptionell in die Obhut des Kunstministeriums geben?

Ein, wie vom Finanzministerium beabsichtigt, einberufener Programmbeirat kann ja immer nur als eine Art Laiengremium Aufsichtsfunktion haben. Das heißt, er kann beispielsweise Ambitionen einer Wäschefirma, das Haus zur Präsentation der neuesten Dessous zu mieten, eine Absage erteilen. Was er nicht kann: eine kontinuierliche künstlerische Konzeption gewährleisten.

Neben Christoph Hammer, der sich für ein Barock-Festival stark macht (wir berichteten), fühlt sich auch Dirigent Alexander Krampe mit der Kammeroper München dazu berufen, im Cuvilliés-Theater zu spielen: "Die Chance besteht, dass wir dort mit Aufführungen reingehen. Wir müssen nur die Finanzierung stemmen. Ich gehe dabei von 7000 Euro pro Tag aus. Und darüber hinaus werden unsere Produktionskosten steigen, denn ich kann da ja nicht mit Studenten arbeiten."

Nein, das müssten schon ausgewiesene Profis sein, denn mit dem Aufführungsort verändert sich der künstlerische Anspruch. Dementsprechend hochkarätig das Projekt Krampes: "Wenn wir es schaffen, wollen wir 2010 eine Oper von Walter Braunfels im Cuvilliés-Theater aufführen. Zur Auswahl stehen ,Prinzessin Brambilla oder ,Don Gil von den grünen Hosen. Ich denke, das Projekt wäre interessant genug, uns dort zu positionieren."

Auch für Alexander Krampe gilt: "Das Cuvilliés-Theater muss mit einer künstlerischen Leitung ausgestattet werden, die sich um hochqualifizierte Operngastspiele des freien Marktes kümmert. Denn gerade die freie professionelle Musikszene wird in Zukunft zunehmen und eine größere Rolle spielen als bisher."

Aber auch von Seiten der Bayerischen Staatsoper muss in Sachen Cuvilliés-Theater mehr erwartet werden als die Eröffnungspremiere. Dieser "Idomeneo" befindet sich in der kommenden Saison überhaupt nicht auf dem gewöhnlichen Spielplan, erst wieder zu den Opernfestspielen 2009, mit drei Vorstellungen im Juli. Was natürlich zu wenig ist. Denn das Cuvilliés-Theater in seiner immer wieder staunen machenden Rokoko-Pracht und durch seine Nähe von Bühne und Parkett ist ganz wunderbar dazu geeignet, junge Menschen mit Musiktheater zu infizieren. Etwas, was der Staatsoper bekanntermaßen sehr am Herzen liegt.

Nun ist es aber so, dass die Oper als staatliches Haus teuer bezahlen muss, wenn sie das andere staatliche Haus, das dem Finanzministerium "gehört", bespielen will. Was im übrigen auch fürs Residenztheater gilt; nur hat Dieter Dorns Bühne eine Vereinbarung über eine Ausgleichszahlung durch das Kunstministerium getroffen. Die Staatsoper hat sich um eine solche Verabredung bislang nicht bemüht, da platz- und also ertragsmäßig der Zuschauerraum mit seinen 500 Stühlen nicht konkurrieren kann mit den 2100 des Münchner Nationaltheaters.

Möglicherweise aber wird es ja unter der Intendanz von Nikolaus Bachler (ab Herbst 2008) neue Überlegungen zum Thema Cuvilliés-Theater geben. In diesem Zusammenhang darf schon gefragt werden: Was ist los mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und seinem Ensemble? Ein schönerer und auch interessanterer Spielort für die jungen Sänger ist gar nicht denkbar. Die ästhetische Auseinandersetzung mit der Kunstform Oper könnte nirgends wirkungsvoller erfolgen als in diesem Rokoko-Juwel.

Organisatorisch bislang der Musikalischen Direktion, also Kent Nagano, zugeordnet, gehört das Opernstudio ab der neuen Spielzeit zum Nachwuchs- und Jugendbereich der Staatsoper.

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