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„Ich hatte Sehnsucht nach einer Rolle, die mich als Schauspielerin ernst nimmt.“ Désirée Nosbusch in „Bad Banks“.

Interview mit der Schauspielerin zum Weltfrauentag 

Désirée Nosbusch feiert Comeback in „Bad Banks“: „Ich bin keine, die aufgibt“

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Sie ist blitzgescheit, spricht sechs Sprachen, ist eine souveräne Moderatorin, eine klasse Schauspielerin, attraktiv und obendrein sehr sympathisch. Kurzum: Désirée Nosbusch ist eine tolle Frau, in deren Lebenslauf sich aber auch Brüche finden. So hat sie etwa eine schauspielerische Durststrecke hinter sich. Jahrelang wartete sie auf eine Rolle, die sie fordert – bis Christian Schwochow sie für „Bad Banks“ besetzte.

In der famosen ZDF-Serie „Bad Banks“ spielt Désirée Nosbusch die eiskalte Bankenchefin Christelle Leblanc. Die sechs Folgen der ersten Staffel sind in der ZDF-Mediathek verfügbar; eine zweite Staffeln ist in Arbeit. Wir sprachen mit der 53-jährigen gebürtigen Luxemburgerin über die Reihe, ihre Figur, den Weltfrauentag und die Rolle von Frauen in Film und Fernsehen.

(Lesen Sie hier fünf Fakten über die gefeierte ZDF- und Arte-Serie „Bad Banks“.) 

Wie dankbar sind Sie für die Rolle der Christelle Leblanc in der ZDF-Serie „Bad Banks“?

Désirée Nosbusch: Diese Rolle ist für mich ein Sechser im Lotto. Ich konnte mich auch vorher nicht wirklich beschweren, bin seit 40 Jahren beschäftigt, habe immer zu tun gehabt. Aber ich gebe offen zu, dass ich in Bezug auf die Schauspielerei seit einigen Jahren gehofft habe, dass da mal etwas anderes kommt. Eine Rolle, hinter der die Désirée mal richtig verschwinden kann.

Wie meinen Sie das?

Nosbusch: Ich hatte Sehnsucht nach einer Rolle, die mich als Schauspielerin ernst nimmt. Bei der nicht jeder „nur“ die Moderatorin vor der Kamera sieht.

Dann kam Christian Schwochow mit dem Angebot für „Bad Banks“.

Nosbusch: Ja genau. Als ich die Zusage bekam, saß ich im Auto. Ich bin rechts rangefahren und habe erst mal geweint.

So groß war Ihre Freude?

Nosbusch: Ja. Und im selben Moment wurde mir klar: So eine Chance bekommst du nicht dreimal. Ich dachte nur: Jetzt mach das Beste draus. Und ich glaube, das ist mir gelungen.

Umso mehr fragt man sich, wie Sie die Durststrecke ohne gute Rollen durchhalten konnten? Was macht das mit einem, wenn man nicht so gefragt ist, wie man es gerne hätte?

Nosbusch: Ich bin keine, die aufgibt. Und ich hatte immer das Glück, auch andere Sachen machen zu können. Ich habe angefangen, selbst zu produzieren, habe Theater gespielt, viele Lesungen veranstaltet. Ich konnte immer meine Miete zahlen. Aber ehrlicherweise war ich schon auch ein paar Mal an dem Punkt, dass ich dachte: Wenn jetzt nicht bald eine gute Rolle kommt, dann soll es vielleicht einfach nicht sein mit der Schauspielerei. Das sage ich nicht verbittert, ich hätte es mir nur eingestehen müssen. Aber – wie so oft im Leben war es auch hier: In dem Moment, wenn man loslässt, dann passiert’s.

Es gibt viele Diskussionen über Frauen in Film und Fernsehen, die immer noch unterrepräsentiert sind. Haben Sie das Gefühl, dass es für Frauen ab 50 besonders schwierig ist?

Nosbusch: Ich glaube nicht, dass das nur eine Frage des Alters ist. Frauen sind in vielen Positionen stark unterrepräsentiert und werden oft nur über ihr Aussehen oder ihre Jugendlichkeit definiert. Vielleicht ändert sich da gerade etwas in der Gesellschaft, es gibt ja Gott sei Dank immer mehr Frauen, die den Mund aufmachen und rebellieren. Aber generell bleibt es doch dabei: Ein Mann wird interessant, wenn er älter wird und einen Bauch hat und weniger Haare. Das läuft dann unter Charakter. Bei Frauen ist das anders. Und jetzt haben wir noch gar nicht von der ungleichen Bezahlung gesprochen und anderen Themen. Da muss noch viel passieren.

Der Weltfrauentag heute macht darauf aufmerksam.

Nosbusch: Ja, es ist traurig genug, dass wir so einen Tag noch brauchen, aber es ist wiederum auch gut, dass es ihn gibt, um innezuhalten und zu überlegen: Wo stehen wir denn eigentlich?! Das fängt ja bei vermeintlichen Kleinigkeiten an: Wenn Frauen mit etwas mehr Lautstärke für etwas kämpfen oder widersprechen, sind sie gleich hysterisch oder werden am Ende noch gefragt, ob sie ihre Tage hätten.

Ganz schlimm.

Nosbusch: Ich finde einfach, wir Frauen sollten mehr zusammenhalten. Männer gründen Vereine, gehen zusammen trinken und manche sogar zusammen in den Puff. Frauen arbeiten viel zu oft gegeneinander. Ich bin nicht so. Ich habe meinen 50. Geburtstag nur mit meinen Freundinnen gefeiert. Das sagt alles. (Lacht.)

Ihre Kinder sind inzwischen beide erwachsen. Ihr Sohn ist 22, die Tochter 19. Konnten Sie loslassen?

Nosbusch: Ich habe das schleichend vorbereitet. Denn ich wusste: Ich bin so eine Gluckenmutter, dass ich mich schwertun würde an dem Tag, wenn sie gehen. Ich habe dann sozusagen parallel zum Erwachsenwerden meiner Kinder meinen Weggang aus Los Angeles vorbereitet. (Nosbusch lebte mehr als 20 Jahre in den USA; Anm. d. Red.) An dem Tag, als mein Sohn in seine eigene Wohnung gezogen ist und meine Tochter nach New York ging zum Studieren, habe ich den Container gepackt und bin zurück nach Luxemburg. Ich wäre sonst wahrscheinlich in ein Loch gefallen. Deswegen war der Schritt gut für mich. Auch wenn die Entfernung natürlich hart ist. Andererseits hat man in dieser neuen Phase auch mehr Zeit für sich.

Und für eine neue Beziehung. Sie sind frisch verliebt.

Nosbusch: Sogar frisch verheiratet!

Oh, wie schön! Herzlichen Glückwunsch!

Nosbusch:Vielen Dank.

Fühlt sich eine Hochzeit mit 50 anders an als eine mit 20 oder 30? Verliebt man sich anders?

Nosbusch: Ich denke, vieles ist anders, wenn man älter wird und sich weiterentwickelt. Man weiß vielleicht nicht immer, was man will, aber man weiß ganz genau, was man nicht mehr will. (Lacht.) Sagen wir es so: Ich habe das erste Mal aus vollster Überzeugung und Liebe geheiratet, damals den Vater meiner Kinder. Und habe es jetzt auch wieder getan. Ich bin sehr glücklich.

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