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Randy Newman ist am 8. März in der Münchner Philharmonie zu erleben

Daheim applaudiert niemand

München - Komponist und Sänger Randy Newman spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über „Songbook 2“, alte Stücke und die eigene Musikerfamilie.

Er ist eine Legende der Musikgeschichte. Randy Newman lieferte Hits wie „Short People“ oder „I Love L.A.“, schrieb auch viele Lieder, die andere bekannt machten. So stammt „You Can Leave Your Hat On“, das Joe Cocker für den Film „9 ½ Wochen“ einsang, von Randy Newman. Zynische Texte sind seine Spezialität. Popmusik ist allerdings mehr die Spielwiese für den inzwischen 69-jährigen Komponisten. Dick im Geschäft ist Randy Newman in Hollywood, wo er wie seine Onkel Alfred und Lionel Newman für zahlreiche Filme von „Toy Story“ bis „Ragtime“ den Soundtrack schrieb. Nachdem bereits ein „Songbook“ mit alten Liedern erschien, kam nun ein weiteres auf den Markt, das Randy Newman am 8. März in der Philharmonie vorstellt. Wir sprachen mit dem Musiker.

Beim ersten Songbook gab es nur Klavierbegleitung, die CD „Songbook 2“ hat nun ganz neue Arrangements. Wird es auch eine Nummer drei geben?

Ich denke es wird durchaus eine dritte Auflage geben. Die wird aber so ähnlich sein wie die zweite.

War es manchmal seltsam, ganz alte Stücke wiederaufzunehmen?

Seltsam war es schon manchmal. Aber ehrlich gesagt war es auch sehr erfreulich. Die Stücke haben in den letzten Jahren eigentlich an nichts verloren. Das fand ich dann schon komisch, dass kein Lied so richtig peinlich war. Anscheinend habe ich damals schon genauso komponiert wie heute.

War es schwer, dann Lieder für das Album auszuwählen?

Ja, das war schwierig. Während der Aufnahmen haben wir noch einmal ausgewählt. Es war vor allem eine Frage, wie sie zusammenpassen.

Viele Künstler haben Lieder von Ihnen interpretiert. Haben Sie manchmal gedacht: Was haben die nur aus meinem Lied gemacht?

Oh ja. Da gab es eine ganze Reihe. Interessanterweise hat sich das gebessert. In jüngster Zeit haben die Leute anscheinend angefangen zu verstehen, warum ich die Lieder so oder so geschrieben habe.

Singen die dann auch so wie Sie?

Ich habe eine sehr eigenwillige Art zu singen. Nein, das ahmt niemand nach.

Sie sind in eine Komponistenfamilie hineingeboren worden. Gab es jemals einen anderen Berufswunsch?

Baseballspieler. Als ich zwölf Jahre alt war, merkte ich aber, dass ich da nicht gut genug war. Gleichzeitig aber sah ich immer, wie meine Onkel komponierten. Das hat eigentlich recht schwierig ausgeschaut, aber ich wollte auch so arbeiten.

Gab es manchmal innerfamiliäre Kooperationen?

Nein, jeder arbeitet vor sich hin. Seltsamerweise ist uns nie eingefallen, dass man einmal etwas gemeinsam entwickeln könnte. Lionel und Alfred haben, glaube ich, schon einmal etwas gemeinsam auf die Beine gestellt. Das ist lange her. Ich weiß nicht, ob das jemand interessieren würde – aber vielleicht wäre es lustig gewesen.

Sie besitzen Oscars, Grammys, sind auf dem Walk of Fame. Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie?

Ich bin natürlich froh, wenn Leute glauben, sie müssten mich ehren. Mein Onkel erhielt neun Academy Awards. Er schien sich nie etwas daraus zu machen. Aber er tat es doch. Manchmal denke ich aber, dass es nicht die richtige Entscheidung war. Oft werden gerade die Dinge ausgezeichnet, die ich nicht so toll finde. Andere hingegen…

In einem Interview wurden Sie gefragt, ob Sie einen Rückzug aus dem Komponieren in Erwägung ziehen würden. Finden Sie es seltsam, das gefragt zu werden? Niemand hätte Beethoven gefragt, ob er sich aufs Altenteil zurückziehen will?

Die hätten sich nicht getraut, Beethoven auch nur eine Frage zu stellen! Mich überrascht es eher, dass sich so wenige Menschen im Alter vom Show-Business zurückziehen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass zuhause niemand applaudiert.

Das Gespräch führte Antonio Seidemann

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