Die Damen das Fürchten gelehrt

- "Quatuor Ebene" - hinter diesem Etikett stecken vier junge Vollblutmusiker, die das Zeug dazu haben, sich auf den Musikpodien der Welt rasch zu etablieren und ihren noch ungeläufigen Namen zur verheißungsvollen Ankündigung zu machen. Wer die vier Franzosen am Donnerstagabend beim Kammerkonzert im Münchner Prinzregententheater hörte, wunderte sich nicht über den gerade auf sie hernieder gegangenen Preis-Regen.

<P>Das Quatuor Ebene hat beim renommierten Münchner ARD-Wettbewerb den ersten Preis gewonnen und gleichzeitig zwei Sonderpreise, einen Publikumspreis und ein Stipendium errungen. Mit Bartóks schwierigem Streichquartett Nr. 3 Sz 85 demonstrierten die seit ihrer Schulzeit zusammen musizierenden Streicher (Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure-Tonoian, Violine; Mathieu Herzog, Viola; Raphael Merlin, Cello) ihre Sonderklasse.</P><P>Da genoss man nicht nur eine exzellente Spieltechnik, mit vorzüglicher Intonation und enormer klanglicher Intensität, sondern auch ein musterhaftes, von nerviger Unruhe befeuertes Zusammenspiel. Die Durchdringung des Werks sowohl im schmerzlich gesteigerten Ausdruck des ersten wie in der ungebärdigen Wildheit des zweiten Satzes faszinierte und gipfelte in einer flammenden Coda. Der anschließende Jubel war groß.</P><P>Ein bisschen zu brav, zu wenig zupackend präsentierten sich hingegen die zweiten Preisträger, das Faust Quartett - mit den Damen Uta Kunert, Cordula Frick, Violine; Birgit Böhme, Cello und dem Bratscher Immo Schaar. Sie eröffneten den Abend mit Haydns Quartett B-Dur Hob. III:78 "Sonnenaufgang". Ebenfalls kein leichtes Stück, dessen Stimmung die vier in einem sensiblen Zusammenführen der Linien beschworen. Nicht immer lupenrein war die Intonation der ersten, zuweilen auch ein wenig hart klingenden Violine.</P><P>Auf dem Weg zu den Musikpodien der Welt</P><P>An der Harfe begegnet man selten jungen Burschen, doch der 22-jährige Niederländer Anton Sie lehrte die Damen jetzt das Fürchten. Er gewann den ersten Preis (samt Sonderpreis) und beglückte die Zuhörer mit einer c-moll-Fantasie von Ludwig Spohr. Virtuose Selbstverständlichkeit und eine subtile, alle Facetten ausleuchtende Interpretation sorgten für Staunen und Begeisterung.</P><P>Diesem Meisterwerk gegenüber wirkte Faurés "Une chatelet en sa tour", das die dritte Preisträgerin Mirjam Schröder aus Karlsruhe als sanften Schleier in changierenden Pastellfarben wob, beinahe trivial. Einziges zeitgenössisches Einsprengsel im umfangreichen Programm war Brian Ferneyhoughs 1971 entstandenes, wundersames Flötenstück "Cassandra's dream song". Pirmin Grehl, zweiter Preisträger, fächerte mit spielerischer Lust das ganze Spektrum der vom Komponisten ausgereizten Möglichkeiten auf, hauchte, blies und klapperte und verband Töne und Geräusche zu einem poetischen Ganzen. Das Publikum wusste es zu schätzen.</P><P>Das Stiefkind Bratsche hatte es gegen diese Phalanx nicht leicht. Doch der junge Pole Ryszard Groblewski spürte in den "Märchenbildern" op. 113 mit angenehmem Ton und prägnantem Spiel Schumanns ausdrucksstarkem, melancholischem Gesang nach. Eher einheitlich, wenig kontrastreich wirkte dagegen Brahms' Sonate Es-Dur op. 120, deren wienerischen Tonfall Tomoko Akasaka (dritter Preis Viola) lyrisch kantabel umsetzte, ohne sich gegen Brahms Klavierbegleitung wirklich behaupten zu können.<BR><BR>Wer die interessante Leistungsschau diesmal verpasst hat, sollte sich den Juni 2005 vormerken, dann gibt es mehrere Preisträger-Konzerte im Hubertussaal des Nymphenburger Schlosses.</P>

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