Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen
„Die Bücher müssen unterschiedlich sein“: Das erste Programm von Tanja Graf bot fünf Titel – von David Levithans „Wörterbuch der Liebenden“ bis zur Autobiografie von Charles Aznavour. foto: Dominik Mentzos

Damit es beim Lesen „Klick“ macht

München - Kleine Schätze zu heben, das ist ihre Spezialität. Die Münchnerin Tanja Graf, seit über zwanzig Jahren in der Literaturszene tätig, hat sich mit dem Graf Verlag selbstständig gemacht und nimmt es nun mit den Großen auf.

Wenn Tanja Graf auf der Jagd nach guten Literaturstoffen ist, dann muss es beim Lesen im Kopf „Klick“ machen. „Ehrlich gesagt: Ich wünschte, es würde öfters klicken“, sagt sie ein wenig ironisch. Die Literaturkennerin aus Leidenschaft ist wählerisch, sie weiß, was sie will. „Texte müssen etwas Authentisches haben und gelungen eine Geschichte erzählen.“ Mit Büchern, die irgendwie künstlich wirken, kann sie nichts anfangen.

Die Münchnerin war dreizehn Jahre lang Lektorin beim Piper Verlag und verantwortlich für die Belletristik-Programme bei Piper, Kabel und Malik, akquirierte Autoren wie Jon Krakauer, Sandor Marai und Alessandro Baricco. 2004 gründete sie gemeinsam mit dem Kunstbuchverleger Lothar Schirmer den SchirmerGraf Verlag und reüssierte von Anhieb an mit ihrem Programm, etwa mit den Büchern von Sybille Bedford. Jetzt setzt die erfahrene Lektorin ihre Arbeit fort, mit ihrem Label „Graf Verlag“ unter dem Dach der Ullstein Buchverlage.

Das erste Herbst-Programm des Graf Verlags bestand aus fünf Titeln und bildete einen bunten Bücherstrauß - darunter David Levithans „Wörterbuch der Liebenden“, der Roman „Der Tag vor dem Glück“ des italienischen Bestsellerautors Erri de Luca und Charles Aznavours „Mit leiser Stimme. Mein Leben - ein Chanson“. Wie gesagt, Grafs erstes Programm ist bunt, aber ist es zu bunt, um eine eigene Handschrift erkennen zu lassen?

Die Programmleiterin sieht das so: „Selbst in einem kleinen Verlag gilt: Die Bücher müssen unterschiedlich sein, damit sie sich nicht im Weg stehen.“ Bei Tanja Grafs Auswahl ist eines entscheidend: „Es ist der besondere Ton. Ein Buch muss erzählerische Qualität haben, die Lektüre darf unterhaltsam und sollte bereichernd sein. Das Niveau hält die Bücher in meinem Programm zusammen.“

Im Herbstprogramm hat vor allem Erri de Luca reüssiert, er wurde mit dem diesjährigen Petrarca-Preis ausgezeichnet. Bei den Frühjahrstiteln fällt vor allem der neue Roman der jungen deutsch-russischen Autorin Lena Gorelik auf: „Lieber Mischa“ behandelt auf ironisch-niveauvolle Weise die Frage, wie man heute als Jude in Deutschland lebt. Und Jean Fortons Roman „Isabelle“ ist ein Meisterwerk der kalkulierten Verführung.

Der SchirmerGraf Verlag, den Tanja Graf mit Lothar Schirmer gegründet hat, heißt nun SchirmerMosel Literatur. Dass dieses Label im Haus des großen Kunstbuchverlages SchirmerMosel eine Zukunft hat, steht für Lothar Schirmer außer Zweifel: „Auf der einen Seite haben wir ja die Bücher, die wir gemeinsam mit Tanja Graf gemacht haben. Das sind etwa 60 Titel, die langsam abverkauft werden. Dann gibt es Erfolgstitel wie die Bücher von Sybille Bedford, die wir laufend nachdrucken.“ Aber auch auf Neuerscheinungen will Lothar Schirmer nicht verzichten: Im kommenden Frühjahr bringt SchirmerMosel Literatur eine Autobiografie von Diana Vreeland, der Herausgeberin der amerikanischen Vogue, heraus, einen Band mit Schriften und Erinnerungen von Giorgio de Chirico und eine Gerichtsreportage von Sybille Bedford - „Jagd auf einen Lebemann“ lautet der Titel.

Auf die Frage, weswegen sie sich vom gemeinsamen Label mit Schirmer getrennt habe, findet Tanja Graf eine klare Antwort: „Sich als unabhängiger Verlag auf dem heutigen Markt zu etablieren, erfordert einen langen Atem. Als kleinerer Marktteilnehmer kann man sicher auch Schätze heben, aber nicht bei großen Auktionen mitmachen.“ Der Graf Verlag unter dem Dach von Ullstein scheint diese Möglichkeiten zu haben - oder zu bekommen, wenn sich die ersten Programme im Buchhandel behaupten.

Tanja Graf ist seit über 20 Jahren im Verlagsgeschäft tätig und gilt als eine der versiertesten Kennerinnen der inländischen wie ausländischen Szene. Wie aber sieht sie heute ihren beruflichen Lebensweg? Was überwiegt? Die positive oder die negative Erfahrung? Tanja Graf atmet tief durch, denkt lange nach - und fängt dann wirklich beim Anfang an: bei ihrem Vater. Hansjörg Graf war Lektor bei verschiedenen Verlagen und ist bis heute als Literaturrezensent tätig. Bücher haben also Tanja Graf und ihre zwei Schwestern seit der Kindheit umgeben. „Wir hatten überhaupt keine Berührungsängste. Lesen war etwas, das zum Alltag gehört.“ Und an ihrem Vater konnte sie später sehen, wie sehr man sich als Lektor für Autoren und Bücher einsetzen kann. „Das hat sicher großen Einfluss auf mich gehabt. Eben auch zu bemerken, wie schön es ist, einen Beruf zu haben, der einen mit Leidenschaft erfüllt und bei dem einem nie langweilig wird.“

Und dafür, dass bei ihr auch in Zukunft keine Langeweile aufkommen wird, hat Tanja Graf selbst gesorgt: als Programmleiterin des neuen Graf Verlages. Dort geht sie ihrer großen Leidenschaft nach. Das ist die Lust, neue, spannende und niveauvolle Literatur zu entdecken - für sich und für uns Leser.

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