Helena Waldmanns „revolver besorgen“ ist nochmals im Münchner Gasteig zu sehen.

Dance 2010 – fehlt das Geld oder liegt’s am Krea-Tief?

München - An diesem Samstag endet in München das 12. Internationale Festival des zeitgenössischen Tanzes. Der Glanz  des Festivals war heuer eher matt.

Ach, was waren wir verwöhnt in den Achtzigern und frühen Neunzigern. München holte praktisch die gesamte hierorts noch unbekannte US-(Post-)Moderne nach und war gleichzeitig direkt am Puls der neuesten Tanz-Tendenzen: Die Alabama-Halle preschte vor mit Altmeister Merce Cunningham und dem kanadischen New-Dance-Shooting-Star Edouard Lock. Bei den Theaterfestivals sah man Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal, die belgische Senkrechtstarterin Anne Teresa de Keersmaeker mit ihrem damals frappierenden Minimal-Dance und die gesamte japanische Butoh-Tanzavantgarde. Ab 1987 war es Münchens Dance-Biennale, die alles versammelte, was in der Tanzwelt Rang und Namen hatte.

Das diesjährige Dance, kuratiert – wie schon 1987, 1989 und 2008 – von der erfahrenen Bettina Wagner-Bergelt, war, der Krise sei Un-Dank: die Kunst, wie man mit wenig viel her macht. Durchaus geschickt füllte die Kuratorin, hauptberuflich Staatsballett-Dramaturgin, ihr Programm auf: mit dem Staatsballett-Repertoirestück „Artifact“ von William Forsythe, Vorstellungen der Münchner Iwanson-Schule und fünf ortsansässigen Choreografen. Auch bei den Gästen gab es keine kostspieligen Ensemble-Arbeiten. „Am Bildaltar“, eine Uraufführung des Berliner Duos Günther Wilhelm/ Mariola Groener, ist eine gleitende Folge von nachgestellten, fein ironisierten frommen Maler-Motiven. Eine Stunde lang formen sich sanft-behende Zweier- und Dreier-Figuren.

Es ist also nicht so, dass man bei Dance 2010 nicht einiges gesehen und gelernt hätte. Aber der Biennale-Glanz war doch eher matt. Und da darf man schon fragen: Liegt’s nur am fehlenden Geld? Oder nicht auch an einem gewissen Krea-Tief? Es fällt doch auf, dass die Rekonstruktion zur Zeit Konjunktur hat. Auch der Slowene Janez Jan(s)a hatte ein, wie es auf Neudeutsch verkauft wird, „Re-Enactment“ mitgebracht. Die Choreografen (?) von heute zehren sichtlich von den Werken der Vergangenheit. Oder retten sich hinüber in das Genre „Grenzgang“, in dem Tanz nur noch als Garnierung dient für (Auto-)biografisches, akademisch belehrende Textprojektionen, Soundeffekte und Videos. Und ob man sie nun gelungen findet oder nicht, handwerklich vielleicht gut gemacht, aber als Schau-Erlebnis öde – eine ganze Reihe dieser Abende hatte mit Tanz fast nichts mehr zu tun. Fazit: Wenn sich im zeitgenössischen Verständnis Tanz und Theater nicht mehr unterscheiden und ohnehin wenig Geld im Stadtsäckel ist, könnte man Dance- und Spielart-Biennale demnächst auch zusammenlegen.

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