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Daniel Behle, Opern-, Liedsänger und Komponist, singt in München Schuberts „Schöne Müllerin“. Derzeit arbeitet er an einer Operett e über konkurrierende Bierbrauer.

INTERVIEW

Daniel Behle: Der Tenor aus Kalau

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Interview mit Daniel Behle über seine neue Operette und seinen geplanten Lohengrin

München - Sein jüngster Streich war einer seiner besten: eine Weihnachtsplatte, teilweise mit Eigenkompositionen, zwischen hingebungsvoller Liebe zum Fest und ohrwurmhafter Satire. Daniel Behle ist ein Besonderling der Musikszene. Zurzeit gastiert der Tenor in München allerdings mit klassischer Kost: An der Staatsoper singt der 45-Jährige den Belmonte in Mozarts „Entführung aus dem Serail“, am morgigen Freitag, 19.30 Uhr, eröffnet er im Max-Joseph-Saal mit Schuberts „Schöner Müllerin“ den nächsten Durchgang der Reihe „Liederleben“. Ein Treffen in der Mittagspause.

Sie nehmen als Sänger Spaghetti mit Knoblauch?

Behle: Wollen wir gleich mal mit den Klischees aufräumen? Ich trink’ sogar Sprudelwasser oder Cola. Gerade wenn ich ein bisschen angekränkelt bin, wirkt Kohlensäure ganz anregend. Zu Hause ist dagegen Knoblauch so ne Sache. Auch Dosenfisch, den ich liebe, ist ein No-Go.

Gerade schreiben Sie an einer Operette. Wann gibt’s die live?

Behle: Vielleicht in drei Jahren?! Eine Idee habe ich schon: zwei Dörfer im Norden Deutschlands, die im Bierbrauen miteinander konkurrieren. Der eine Bierbrauer gewinnt immer, der andere hat eine sehr ehrgeizige Frau. Die möchte ihren Mann dazu überreden, den Bürgermeister des Gewinnerdorfes zu erpressen, um an das Geheimnis des Wirtes mit Namen Flens zu kommen. Der hat von vier betrunkenen Bayern vorhergesagt bekommen, er werde der größte Bierbrauer der Welt. Na, dämmert’s?

Nun...

Behle: Es ist „Macbeth“! Titel könnte eventuell sein: „Hopfen und Malz“?!

Haben Sie keine Angst, dass Ihnen ein Label aufgepappt wird à la „Daniel Behle, der lustige Hamburger“?

Behle: Wir wollen ein Produkt immer gerne etikettieren. Tatsächlich sagen mir Schubladen nicht viel. Meine persönliche Kiste zu vermeiden, klappt bisher ganz gut. Bei meinen ersten Lied-Platten hieß es trotz mehrjähriger Operntätigkeit: „Behle, der Liedsänger“. Später, bei der Platte mit Renate Behle, war ich „der Sohn der Mutter“. Jetzt ist es gerade, dank „Winterreise“, „Mein Hamburg“ und „Meine schönsten Weihnachtslieder“: „der singende Komponist“. Ich sehe mich als Musiker. Und alles steht miteinander in Bezug. Die Idee zu dieser Operette zum Beispiel entstand aus der Arbeit an meinen CD-Produktionen.

Wer garantiert, dass das nicht unglaublich schiefgehen kann und Sie am meisten Spaß haben, das Publikum aber weniger?

Behle: Mit den geplanten Kalauern ist das natürlich so eine Sache. Ich glaube aber, dass mir ein Gefühl inne ist, wann es passt und wann nicht. Mal sehen. Der Plan ist momentan, eine im Grunde ernste Geschichte durch Absurdität unterhaltsam zu gestalten. Wie viel Mut ich da aufbringen werde, kann ich jetzt noch nicht absehen. Ein Beispiel: Der Klaus, der bei uns von außen in einen Konflikt hineingetragen wird, der ist mit seinem Knappen Ischias, der immer alles trägt, auf dem Jakobsweg. Aber sie haben sich verlaufen, sind in diesem norddeutschen Dorf gelandet und treffen auf Wirtstochter Senta. Sie singen das Senta-Klaus-Duett: „Willst Du ne Fanta, Klaus? Die geb ich Dir gern!“ Anderes Beispiel: Es gibt noch Bernd, der später, als er verlassen wird, die Ballade „Die Wunde von Bernd“ singt mit der Textzeile: „Was war ich für ein Tor, Tor, Tor“... Solche Sachen laufen wahrhaftig und ernst ab. Die Komik entsteht von alleine.

Sprechen wir über Ihren „Lohengrin“, den Sie erst in Dortmund, dann in Stuttgart singen. Es scheint, als ob jeder deutsche lyrische Tenor zu dieser Partie drängt.

Behle: So ist es bei mir nicht ganz. Wenn ich aber alles hinten runterfallen lasse, was man mit mir nicht ganz in Verbindung bringt, dann bleibt es bei Belmonte, Tamino, „Schöner Müllerin“ und „Winterreise“. Ich will mich entwickeln können und bin zum Glück in der Situation, dass manche Intendanten mir facherweiternde Rollen zutrauen. Ich glaube, dass mich mein Weg irgendwann ins Heldische führt. Ob es zu den ganz schweren Sachen reicht, ist gar nicht wichtig. Ich habe mich beim „Holländer“-Erik an der Hamburger Staatsoper aber sehr gut gefühlt; das ist schon mal ein gutes Zeichen. Der Lohengrin ist ihm stimmlich ähnlich, nur eben viel länger.

Braucht man auf diesem seltsamen Musikmarkt ein Biotop, mit dem man erkennbar bleibt? Belmonte-Sänger gibt es ja viele.

Behle: Aber leider nicht viele Gute. Neben den Opern-Engagements laufen Plattenproduktionen oder Galakonzerte unabhängig und parallel. Als Musiker und Künstler geht es mir darum, etwas zu tun, worin man authentisch ist und woran man glaubt. Ich mache so viel Unterschiedliches, da ich mich sehr schnell langweile. Es gibt immer Blöcke. Lieder-Phase, Barock-Phase, Mozart-Phase, Strauss- und Wagner-Phase und so weiter. Und wenn man nun ein bisschen Humor hat, dann muss man eben auch den ausleben.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

Konzert am Freitag, 5.4., als Auftakt der Reihe „Liederleben“;

Karten unter der Telefonnummer 089/ 54 81 81 81.

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Kommentare

Kritikus
(0)(0)

Musste unwillkürlich an den Satz denken: "Wo ist Behle?"