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Eine Art Hans Albers 3.0: Daniel Behle singt Klassiker und Eigenes.

CD-KRITIK

Daniel Behle: Gaudi mit St. Pauli

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Hamburg - Tenor Daniel Behle, sonst auf Opern- und Konzertbühnen aktiv, hat eine so schräge wie warmumsherzige Liebeserklärung an seine Heimatstadt Hamburg auf CD eingespielt

Erst einmal müssen alle falschen Erwartungen beseitigt werden: Nein, diese Silberscheibe hat kaum etwas mit Freddy Quinn, Hans Albers oder dem Ohnsorg-Theater zu tun, sondern sehr viel mit Daniel Behle selbst. Der ist zwar auf den Opernbühnen als Ferrando, Titus, Erik oder Matteo unterwegs, aber humortechnisch wohl nur begrenzt ausgelastet. Der Mann, der als @teilzeitdiva twittert und auf Facebook schon mal einen einzigen Selfie-Ton postet, um die Akustik der Elbphilharmonie vorzuführen, ist vor allem: Hamburger. Gebürtig und im Herzen, auch wenn Behle mit seiner Familie inzwischen in der Schweiz lebt.

Mit Liebeserklärung ist „Mein Hamburg“, der aktuelle CD-Streich Behles, nur unzureichend umschrieben. Unterstützt vom geistes- und wesensverwandten Schnyder Trio hat er sich zwar Klassiker wie „Auf der Reeperbahn“, „Ob blond, ob braun“ oder „Kleine Möwe, flieg nach Helgoland“ vorgeknöpft, doch das Gros der Titel driftet ins Schräge. Überhaupt ist nicht ganz klar, auch wenn Daniel Behle schönste, innigste, hemdaufreißendste Tenortöne auspackt: Meint der das ernst?

Garantiert nicht, wenn er selbst zur Feder greift. Adolphe Adams höllisch schwere Arie aus dem „Postillon de Lonjumeau“ hat er zu einer Störtebeker-Ballade umgemodelt. Seine FC-St.-Pauli-Hymne funktioniert nach dem Prinzip Reim-dich-oder-ich-fress-dich („Mein St. Pauli, mit dir hab’ ich Gaudi“). Und ins schwarze Loch des Kalauers blickt man beim tenoralen Prachtstück schlechthin, bei „Granada“, das hier eine Neuauflage als „Kennt ihr schon Hamburg“ erfährt: „Dieses Lied soll dir beim Rum erklingen“ – die Nummer treibt einen zur „Repeat“-Taste.

Was schön ist: Behle feiert mit den wunderbaren Schnyder-Solisten nicht die große Pointensause. Gerade weil das meiste ohne Drücker gespielt und gesungen wird, funktioniert es. Das Grat-Tänzeln zwischen ehrlicher Emotion, Pathos, Kabarett und Schenkelklopfern glückt diesen Scherzkeksen, weil sie alles nonchalant servieren. Ein bisschen Durchdrehen darf freilich sein, man höre dazu das instrumentale „Klabautermann-Quintett“, Komponist: Behle, wer sonst. Ein bisschen beschämt dieser Hamburger Jung auch Opernkollegen, die mit billiger Zugabenware die schnelle CD-Nummer schieben. Vor zwanzig Jahren hätte man Typen wie ihm eine Samstagabendshow gegeben.

Daniel Behle:
„Mein Hamburg“. Schnyder Trio (Berlin Classics).

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