Daniele Gatti und die Philharmoniker

- Mit Kraftmeierei ist Brahms nicht beizukommen. Das bewiesen die Münchner Philharmoniker, angestachelt von Daniele Gatti, beim Abokonzert im Münchner Gasteig.

<P>Natürlich macht es auch ihnen Spaß, in straffem Tempo so richtig in die Vollen zu gehen, aber was kommt dabei heraus? Zunächst einmal litt der Kopfsatz der 4. Symphonie e-moll unter etlichen Schlampereien, war in der Feinzeichnung vieles unpräzis und unsauber. Gattis temperamentvolles Drauflos wirkte insgesamt allzu pauschal. Lediglich im Scherzo, wo der fast plärrende Beginn, diese quasi gewaltsame "Lustigkeit" in heftigen Kontrast zu den eleganten Streicherwendungen gesetzt wurde, entstand ein differenzierteres Bild.<BR><BR>Eröffnet hatte Gatti das Konzert mit Weberns Opus 1, einer Passacaglia, womit übrigens Brahms' Symphonie endet. Diese von Weberns hoher Instrumentierungskunst zeugende Herausforderung bestanden die Philharmoniker eindrucksvoll. Gatti sorgte dafür, dass spätromantische Emotionalität aufrauschte. </P><P>Auch bei Hindemiths Konzertmusik für Streicher und Blechbläser op. 50 mussten sich Orchester und Dirigent nicht zurückhalten. Der massive Einsatz von vier Trompeten, vier Hörnern, drei Posaunen und Basstuba im rhythmisch anspruchsvollen Wechselspiel oder auch zusammen mit den Streichern gelang imponierend. Da baute Gatti im ersten Teil fast Brucknersche Klangkathedralen, allerdings leicht geschärft. </P><P>Und im zweiten Teil parierten die Streicher die Fugato-Herausforderung ebenso wie die Bläser ihre Jazzanklänge - Hindemiths Reverenz an seine Auftraggeber aus der Neuen Welt. Ein 1929 entstandenes Virtuosenstück für die Bostoner, das Gatti nun mit den Münchnern überzeugend realisierte.</P>

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