Am Feierabend: Erst Arzteinsatz, dann Stau bei der S-Bahn 

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Dank den Göttern

- Flinken Schritts betritt er die Bühne. Kaum hat er vor dem eisernen Vorhang Platz genommen, da hebt er auch schon an mit den ersten Versen der "Aeneis" des Vergil.

Rolf Boysen rief, und alle, alle kamen. Zum Auftakt der sechsteiligen Lesereihe waren die fast 900 Plätze des Residenztheaters ausverkauft. Eineinhalb Stunden lang extreme Stille. Gefordert und gebannt folgte das ambitionierte Publikum, darunter viel Jugend, dem Ersten und Zweiten Gesang der großen römischen Dichtung, entstanden 29-19 v.Chr. Es folgte Rolf Boysen und Aeneas auf der Flucht aus Troja durch das sturmgepeitschte Meer, durch die gewaltige Flut, die einen Teil der Flotte vernichtet, an die libysche Küste. Und lauscht hier - wie Königin Dido - Aeneas' Horrorbericht von Laokoon, den Schlangen und dem Trojanischen Pferd.

Der Andrang zu den Boysen-Lesungen hat, den Göttern sei Dank, natürlich etwas mit dem einzigartigen Künstler zu tun, der uns so menschlich und bescheiden auf der Bühne begegnet, der sich so selbstlos und kompetent hinter die Dichtung stellt. Aber die Nachfrage ist auch ein Indiz für den Anspruch des Publikums auf Unverfälschtes, auf gedankliche Klarheit, auf die Authentizität von Werk und Künstler. Rolf Boysen macht das alles erlebbar. Die Fortsetzung der "Aeneis" erfolgt heute, morgen sowie am 7., 9. und 10. April. Beginn jeweils 20 Uhr, am Sonntag, 9. 4., um 11 Uhr. Die Geschichte ist hochkonzentriert, anstrengend und ungemein spannend. Jubel.

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