Dann haben wir es hinter uns

- Was ist nun richtig - halbblind oder halb blind, kurzgebraten oder kurz gebraten, funkensprühend oder Funken sprühend? Nichts Genaues weiß man nicht seit Einführung der Rechtschreibreform. Und so kommt es, dass jeder schreibt, wie er will oder kann. Was so schlimm vielleicht auch nicht wäre, würden damit nicht inhaltliche Unschärfen verbunden sein.

<P>Und darum geht es letztlich: um die Genauigkeit des Ausdrucks, die Eindeutigkeit des Geschriebenen. Der Gralshüter unserer Sprache, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, hat sich jetzt in Sachen Rechtschreibreform noch einmal mächtig zu Wort gemeldet und mit einer stattlichen Broschüre den "Versuch der Reform einer Reform" in Angriff genommen.<BR><BR>Anlass ist die Tatsache, dass die gesetzte Übergangsfrist von der alten zur neuen Rechtschreibung, die amtlich noch beide Varianten "erlaubt", ausläuft. Ab 2005 ist Schluss mit entweder oder. Dann sollen, so die Erfinder des umstrittenen Reformwerks, endgültig überall die gleichen Regeln gelten.<BR><BR>Für die Herren der ehrwürdigen Akademie, die, wie sie heute selbst zugeben, viel zu spät protestiert haben gegen den Anschlag auf die Groß- und Klein-, die Getrennt- und Zusammenschreibung, Kommata, Ä's, E's oder Ph's, ist es noch nicht zu spät. Jetzt präsentierten die Professoren Christian Meier und Peter Eisenberg einen von allen Akademiemitgliedern getragenen Kompromissvorschlag. Neuer Streit sollte möglichst vermieden werden, ebenso eine weitere Kostenlawine. Es geht, wenn es auch oft den Anschein hatte, schließlich nicht um Rechthabung, sondern um Rechtschreibung. "Es ist unser Wunsch, sich zu einigen. Jede Seite wird ein bisschen was opfern müssen, aber dann haben wir es hinter uns", so Meier.<BR><BR>Die wissenschaftliche Fleißarbeit dieses neuen Konvoluts an Wörtern hat der ausgleichende Peter Eisenberg geleistet: "Der amtliche Schriftverkehr, das Gros der Zeitungen, die Schulbücher benutzen längst die neue Schreibung . . . Daran wird sich nichts mehr ändern lassen." Insgesamt aber wuchere eine unschöne Mischung von beiden Schreibungen. Aus dieser verfahrenen Lage müsse möglichst rasch ein Ausweg gefunden werden. Durch die jetzt vorgelegten Konsensvorschläge würden alle gravierenden Einwände gegen die Rechtschreibreform gegenstandslos. Man sei bereit, sozusagen kampflos einige Schäden hinzunehmen, aber jene nicht zu akzeptierenden Falschschreibungen müssten unbedingt rückgebaut werden.<BR><BR>Die meisten Fehler sind den Reformern bei der Klein-, Groß- und Getrenntschreibung unterlaufen. Fehler, die nicht hinnehmbar sind. Haupteinwand: "Die Neuregelung sieht wesentlich mehr Getrenntschreibungen vor, als wir sie bisher hatten, d.h. sie macht in zahlreichen Fällen aus einem Wort zwei Wörter. Ein Wort wie ,auseinandersetzen verschwindet, wenn nur noch ,auseinander setzen geschrieben werden darf. Dass man sich nicht unbedingt auseinander setzt, wenn man sich auseinandersetzt - was man in der Aussprache deutlich unterscheidet - geht dabei verloren." Solche Undifferenziertheiten in der Sprache führen letztlich zur Ungenauigkeit im Denken. </P><P>In dem Band "Zur Reform der deutschen Rechtschreibung" ist nun auf 112 Seiten tabellarisch aufgeführt, welche Änderung tragbar ist, welche nicht. Die Liste zeigt, was sich gegenüber der alten Orthographie tatsächlich geändert hat und wie nach Auffassung der Akademie mit den Änderungen umgegangen werde sollte.</P><P>Wallstein Verlag, Göttingen. <BR>@ www.wallstein-verlag.de<BR><BR></P>

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