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Eine Filmfamilie auf dem Karussell des Lebens (v. li.): Valerie Bonneton, Guy Lecluyse, Line Renaud, Dany Boon und Pierre Richard in einer Szene von „Die Sch’tis in Paris“. Die Fortsetzung der Erfolgskomödie von 2008 kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.

Dany Boon und Pierre Richard im Interview:

Die Sch‘tis sind zurück!

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Zehn Jahre nach dem Wahnsinnserfolg der Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ legt der Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Dany Boon jetzt nach. Wir sprachen mit ihm und der französischen Komikerlegende Pierre Richard, der eine Nebenrolle in der gelungenen Fortsetzung spielt, die am Donnerstag startet.

-In der Pressemappe heißt es, dass in der Rolle, die Pierre Richard spielt, viele Eigenschaften Ihres tatsächlichen Vaters stecken. Inwiefern?

Dany Boon: In Hinblick auf die Grundeinstellungen zum Leben. Mein Vater hat anfangs auch nicht akzeptiert, dass ich Künstler werden wollte. Er war der Meinung, ein Künstlerleben wäre etwas für Clochards, für Gammler, für Leute, die nichts tun. Ich war der Erste bei uns in der Familie, der studiert hat. Und so wollte mein Vater einfach, dass ich mir einen ordentlichen Job suche, mit einem gesicherten Gehalt nach Haus komme. Das waren so unsere täglichen Auseinandersetzungen...

Pierre Richard:Lustig, meine Eltern dachten auch, ich lande auf der Straße! Dabei kommen wir beide aus zwei ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen.

-... aber beide stammen Sie aus dem Norden Frankreichs. Welche Vorurteile gegenüber den Sch’tis stimmen?

Boon: Ich glaube, die Figur der Mutter, die Line Renaud wieder spielt, trifft es ganz gut. So ist meine eigene Mutter. Es sind sehr warmherzige Leute, die teilen, auch wenn sie nichts haben. Sie tragen ihre Herzen auf der Zunge, sagen, was sie denken. Sie können vielleicht manchmal auch ein bisschen zu viel Platz einnehmen, das mag sein, aber so sind sie einfach.

Richard: Eigentlich gibt es aber gegenüber den Leuten aus dem Norden gar nicht so häufig zitierte Vorurteile. Wie etwa bei den Bretonen, von denen es heißt, sie seien alle Sturköpfe.

Trafen sich in München: (v.li.) Dany Boon, Merkur-Redakteurin Katja Kraft und Pierre Richard.

-Und umgekehrt? Haben die Menschen im Norden Vorurteile – gegenüber den Parisern beispielsweise?

Boon: Oh, ja, sehr! Aber die sind auch selber schuld. Paris ist eine der schönsten Städte der Welt, nur leider leben da die Pariser. (Lacht.) Nein, ehrlich – wir dürfen nicht vergessen, dass Paris auch aus sehr vielen Menschen besteht, die aus der Provinz kommen. Oder aus Ausländern, die sich dort niedergelassen haben. Paris ist sehr hektisch, die Leute dort sind alle wahnsinnig misstrauisch. Und du hast viel weniger Bistros, das ist dramatisch! Im Norden gibt es am Ende jeder Straße ein Bistro und da trifft man sich. Das fehlt ein bisschen in Paris.

Richard: Na ja, das gibt’s schon in Paris auch. Nur sind’s dort keine Bistros, sondern Vietnamesen...

-Das Aufeinanderprallen von Parisern und Dorfkindern im neuen „Sch’tis“-Film erinnert an Jacques Tati. Ein Vorbild für Sie?

Boon:Oh ja! Ich mag diese visuelle Komik. Die spricht Kinder an – das ist mir wichtig, auch sie sollen etwas in meinen Filmen finden. So kam ich zu Pierre Richard: Ich war schon immer ein großer Bewunderer von ihm, weil er mich als Kind selbst zum Lachen gebracht hat, ich fand ihn unglaublich komisch. Die Komik von Pierre hat so etwas Menschliches, er war immer der Clown. Nachdem er in den Achtzigern und Neunzigern keine Komödien mehr gemacht hat, wurden die französischen Komödien immer geschwätziger und diese visuelle Komik hat gefehlt. Das finde ich schade. Darüber lässt sich doch so viel transportieren!

-Herr Richard, man mag es kaum glauben, doch Sie sind über 80! Wie haben Sie sich Ihre Kindlichkeit bewahrt?

Richard: Wenn ich mal sterbe, dann bestimmt nicht als Erwachsener! Ich bin einfach so – und Dany ist ähnlich. Das ist das, was uns verbindet. Dany hat diese Begeisterungsfähigkeit, er lässt sich von kleinen Dingen verzaubern – also der ist auch noch nicht reif, erwachsen zu werden.

-Apropos Kinder: Ein Kind sagt viele Wahrheiten in dem Film. Was haben Sie von Ihren eigenen Kindern gelernt?

Boon: Erst mal muss man festhalten, dass es nicht einfach ist, Vater zu sein. (Boon hat fünf Kinder; Anm. d. Red.)Das vorweg. Von Kindern können wir uns diese Leichtfüßigkeit, diese Unbedarftheit abschauen. Der Humor ist auch im Kino sehr zynisch geworden, genau wie die ganze Welt zynisch geworden ist. Für mich ist es wichtig, dem etwas entgegenzusetzen: eine gewisse Einfachheit, vielleicht auch eine gewisse Naivität – ohne deswegen blöd zu sein. Die haben Kinder.

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