Daran sind schon ganz andere gescheitert

München - Als würden sich amerikanische GI's vom Hubschrauber ins Kampfgebiet abseilen, so lassen sich Macbeth' Gegner zur letzten Schlacht aus dem Bühnenhimmel herab. Da klirren die Schwerter, da blitzen die Dolche, Kampfmeister Heinz Wanitschek hat beste Arbeit geleistet: Die schottischen Haudegen vom Münchner Volkstheater sind gut drauf. Nur: Woher soll der Zuschauer wissen, dass das jetzt der anrückende Wald von Birnam ist?

Philipp Jescheck inszenierte fürs Münchner Volkstheater "Macbeth" von William Shakespeare

Mit der Inszenierung von William Shakespeares Tragödie "Macbeth" hat man sich an der Brienner Straße Großes vorgenommen. Zu Großes. Was mit Schillers "Don Karlos" wunderbar klappte, funktioniert hier überhaupt nicht. Allein mit dem jugendlichen Furor der Schauspieler ist dem "Macbeth" nicht beizukommen. Noch dazu, wenn der Regisseur ebenso wenig erfahren ist wie seine Darsteller. Philipp Jescheck jedenfalls lässt nicht erkennen, warum er ausgerechnet dieses Drama inszenieren musste.

Das heißt aber nicht, dass diese Aufführung unsympathisch wäre. Denn sie ist nie angeberisch, will auch nicht mehr scheinen, als sie ist. Praktisch zeigt sie: Das sind unsere bescheidenen Mittel, mehr ist nicht möglich. Das beginnt schon bei der Stückfassung. Man spielt die sehr theatralische und moderne Übersetzung von Thomas Brasch. Und da das Ensemble klein ist, wurden hier die mindestens 25 Rollen auf 13 reduziert. Das bedeutet: Die drei Hexen machen das Spiel. Sie fädeln alles ein, sind fast immer am Bühnenrand mitbeteiligt und übernehmen, wenn nötig, die Rollen der Pförtner, Krieger und gedungenen Mörder. Das ist nicht schlecht gedacht und teilweise auch sehr komödiantisch gespielt, vor allem von der anmutigen Elisabeth Müller. Anderes wird ganz gestrichen, wie das Gemetzel an der Frau und den Kindern des nach England geflohenen Macduff. Die Ankündigung und die Nachricht des Vollzugs müssen reichen. Für Nico Holonics als Macduff Gelegenheit, sich den schauspielerischen Sieg des Abends zu erspielen.

Insgesamt ist diese Aufführung gekennzeichnet durch rasante Kürzungen in den Szenen und den Monologen. Nach knapp zweieinhalb Stunden inklusive Pause ist alles vorbei. Das geht natürlich auf Kosten der inhaltlichen Substanz. Doch wäre ja alles denkbar, wenn die Regie dem verbliebenen Stück-Gerippe eine strenge, neue Form verpasst hätte und das auch noch in einem weniger verbauten Bühnenbild.

So aber reiht Regisseur Jescheck zunächst nur eine muntere "Idee" an die andere ­ bis ihm gegen Ende gar nichts mehr einfällt. Wenn's nicht Wanitscheks Kampfszenen gäbe und den raffinierten Bühnennebel mit hineinprojizierten Traumgesichtern, wäre es für die Zuschauer schon ein extrem hartes Los.

Grob fahrlässig: Jescheck denunziert, wenn gewiss auch ungewollt, das Stück schon zu Beginn in seiner Grundstruktur, indem er König Duncan von Peter Mitterrutzner als senile Knallcharge und seinen Sohn Malcolm von Benjamin Mährlein als golfenden Blödmann spielen und überhaupt die schottische Krieger-Elite sich sehr albern bei der "Reise nach Jerusalem" amüsieren lässt. Denn die Ungeheuerlichkeit des Königsmords, die abscheuliche Größe der Tat des Macbeth und seiner Lady und der psychische Dammbruch, den dieser Mord in Macbeth auslöst, werden damit nivelliert. Das Stück verliert sozusagen seinen Inhalt. So kann der Regisseur seinen Hauptdarstellern auch nicht in ihrem schwierigen Part behilflich sein. Gabriel Raab schlägt sich als Titelheld anständig und wacker, wenngleich der junge Schauspieler noch nichts hat, was ihn für diese gewaltige Figur Shakespeare'scher Weltdramatik prädestinieren würde.

Kleiner Trost: Am "Macbeth" sind schon ganz andere gescheitert. Übrigens auch an der Lady, die für Xenia Tiling einfach zehn Jahre zu früh kommt.

Weitere Vorstellungen: 7., 8., 27., 28. Dezember.

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