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Lenny Kravitz: tätowiert, gepierct – und ein Frauenvernascher. Sein Liebesleben wurde einst mit dem Wort „Drehtür“ umschrieben. Heute soll er brav sein und die perfekte Frau suchen.

Die Wahrheit über böse Buben

Darum träumen Frauen von "Bad Boys"

München - Clark Gable, James Dean, Richard Burton. Sie alle sind böse Buben, sagt Psychologin Felicitas Heyne. Bad boys, die Frauenherzen brechen – und denen nun ein Bildband gewidmet wurde. Wir sprachen mit Expertin Heyne über die Magie der sogenannten Womanizer.

Was zieht Frauen an bad boys an?

Böse Buben sind unberechenbar und undurchschaubar. Und damit sind sie die ideale Projektionsfläche für weibliche Fantasien – viel interessanter als Männer, die durchsichtig sind wie Quellwasser. Bad boys haben Glamour, sie versprühen Aufregung und Abenteuer. Die sitzen nicht im Jogginganzug daheim auf der Couch und schauen Fußball-Bundesliga.

Was machen sie dann?

Frauenherzen brechen. Es gibt eine interessante US-Studie, die zeigt, dass eine Kombination aus Narzissmus, Impulsivität und Herrschsucht – also keine besonders netten Eigenschaften – die Chancen von Männern beim weiblichen Geschlecht dramatisch erhöht. Warum die Frauen ausgerechnet darauf fliegen, konnten die Forscher zwar nicht eindeutig sagen...

Aber?

Es gibt Erklärungsansätze: Bad boys haben zum Beispiel den Nimbus, gerettet werden zu müssen – das ist für Frauen unwiderstehlich. Denn Frauen wollen lieber einen Mann vor sich selbst und vor seiner schlimmen Vergangenheit retten, anstatt einen unbeschädigten Typen zu nehmen. Der bad boy ist also als Beute viel begehrenswerter. Das ist übrigens nicht viel anders als bei Schuhen von Manolo Blahnik.

Ach, Sie vergleichen Männer mit Schuhen?

Schuhen, die man nicht leicht bekommt! Auch bad boys sind nicht leicht zu haben, frau muss sie also erst knacken. Und: Eine hart eroberte Trophäe ist mehr wert als der Typ an der Bar, der einem gleich in den Schoß fällt...

Der Typ, der eigentlich gern ein bad boy wäre...

Natürlich bewundern und hassen andere Männer bad boys vor allem wegen deren Erfolg bei Frauen. Nach der Devise: „Ich bin immer nett und lieb – und mich lassen die Frauen links liegen. Der benimmt sich wie ein Arschloch – und dem laufen sie nach!“

Stimmt doch!

Schon. Aber Frauen glauben lieber: Wenn ich den bad boy, den so viele wollen und keine kriegt, bekomme, beweist das: Ich bin toll und einzigartig.

Blöd, dass der bad boy nicht allzu lange bleibt.

Ja, ja – ganz im Gegensatz zu den Schuhen von Manolo Blahnik. Spaß beiseite. Der große Haken an der Sache ist, dass der bad boy beziehungsscheu und bindungsunwillig ist. Und: Er wechselt die Frauen wie die Oberhemden. Gleichzeitig hat er aber eben immer etwas von einem gebrochenen Helden. Die Story ist stets dieselbe: ein good boy macht Schweres durch, wird massiv gekränkt – wahlweise von Mutter, Vater oder einer herzlosen Angebeteten – und erleidet dabei einen seelischen Knacks, der ihn zum bad boy macht...

Und dann wird er von der großen Liebe gerettet?

Davon zumindest träumen Frauen: die große Liebe als der magische Zauber, der den Fluch, der auf dem armen bad boy lastet und ihn zu seinem bindungsunfähigen Verhalten zwingt, bricht. Die Liebe der Frau heilt ihn also. Schluchz, Aufblende, Geigen, Ende.

Gut, das war jetzt im Film – wie sieht es im wirklichen Leben aus?

Weniger herzerwärmend.

Etwas konkreter bitte!

Erinnern wir uns noch mal an die uncharmante Kombination aus Narzissmus, Impulsivität und Herrschsucht. Diese Eigenschaften kennzeichnen – rein evolutionär betrachtet – vor allem die Alphatiere unter den Männchen. Also die, die im Zweifel gut beschützen können, sich durchsetzen und das dickste Stück Mammutfilet heimbringen. Genau das macht sie so attraktiv für die Weibchen.

Aber im Prinzip ist das alles nur Show?

Sagen wir so: Der bad boy wird das besagte Mammutfilet nicht unbedingt an den Nachwuchs verfüttern – sondern lieber selbst essen...

Welcher Nachwuchs?

Na, der Nachwuchs, an den die Frauen denken!

Der sich mit dem bad boy nie einstellt?

Unwahrscheinlich.

Das geht also doch nur mit den netten Männern?

Deutlich wahrscheinlicher.

Das Gespräch führte Barbara Nazarewska.

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