"Das macht einen Höllenspaß" - Christian Thielemann über Operette, Bayreuth und seine Vorsätze für 2008

München - Allein bei der Lektüre des Programmzettels könnte man schon in Schampus-Laune kommen. In ihrer letzten Konzertserie des Jahres bieten die Münchner Philharmoniker am Samstag, Sonntag und am Silvester-Nachmittag ein buntes Bouquet von Suppé über Strauß und Rossini bis Bernstein.

Die drei Termine am Gasteig sind Chefsache: Christian Thielemann, der sich mit Katharina Wagner und Peter Ruzicka für den Bayreuther Thron beworben hat, dirigiert. Als Solisten hat er sich Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschovici und Diana Damrau geholt, die sich unter anderem mit dem "Frühlingsstimmen-Walzer" in eine wärmere Jahreszeit tirilieren wird.

Wie ist dieses Programm gedacht?

Als Rausschmeißer für 2007? Naja Rausschmeißer... Ich habe früher oft solche Sachen gemacht. Schließlich habe ich als Operettenkapellmeister angefangen. "Frühlingsstimmen"- oder "Gold- und Silber-Walzer" kamen da manchmal als Einlagestücke vor, etwa bei der "Lustigen Witwe". Silvesterkonzerte standen bei mir immer wieder auf dem Programm, so was sollte schon der Chef übernehmen. Ich glaube, mein erstes habe ich während meiner Zeit in Karlsruhe geleitet. Außerdem habe ich in Berlin die jährlichen Aids-Galas dirigiert, da stellen sie ja auch ein total buntes Potpourri zusammen. Das macht einen Höllenspaß.

Warum dirigieren Sie dann nicht Operette?

Würde ich ja gern. Lehár zum Beispiel bietet unglaublich gute Musik. Aber mir ist noch keiner begegnet, der die Stücke gut und adäquat auf die Bühne bringen kann. Wenn man das zu sehr modernisiert und in den Schützengraben verfrachtet, ist es grauslig. Und wenn man es zu sehr im Plüschigen belässt ebenfalls.

Wie verbringen Sie eigentlich Silvester? Mit den Millionen am Brandenburger Tor in Ihrer Heimatstadt?

Um Himmels willen, nein. Dieser Menschenauflauf ist ja Wahnsinn und eher beängstigend. In den letzten Jahren bin ich oft in München geblieben. Mitternacht habe ich mich dann auf die Prinzregentenstraße gestellt und am Friedensengel dem ganzen Knallen zugeschaut. Dieses Mal ist es so, dass ich im Januar eine musikalische Neueinstudierung der "Meistersinger" in Wien betreue. Ich verlasse also München.

Und welche Vorsätze haben Sie für 2008?

München muss einen guten Konzertsaal bekommen.

Heißt das einen neuen Marstall-Saal? Oder bedeutet das den Umbau der Philharmonie?

Noch mal (lächelnd): München muss über einen guten Saal verfügen können. Ich kann meinen Kollegen Mariss Jansons in dieser Sache sehr gut verstehen. Und da gibt es eben verschiedene Optionen.

2008 könnte aber auch eine ganz andere Sache aktuell werden: Ihre Mitwirkung an der künftigen Bayreuther Festspielleitung. Das haben Sie gesagt.

Im Gegensatz zu vielen Mutmaßungen erfreut sich Wolfgang Wagner aber Gott sei Dank guter Gesundheit. Ich weiß also nicht, ob da was aktuell wird.

Merkwürdig ist nur, dass ständig über Namen diskutiert wird, genaue Konzepte aber noch nicht in Sicht sind.

Ich bin dafür, dass Konzepte nicht breitgetreten werden. Ich halte nichts davon, so was ins Internet zu stellen und darüber zu diskutieren. Die Gefahr ist zu groß, dass alles zerredet wird.

Über das Trio Katharina Wagner/ Peter Ruzicka/ Thielemann haben Sie gesagt: "Wir sind die Besten".

Und das ist nicht arrogant, das ist die Wahrheit (lacht). Katharina muss Festspielleiterin werden. Wir sind eben ein Trio, das in Bayreuth alles abdeckt, was man braucht. Und wir sind drei Menschen, die wahnsinnig gut zusammenpassen. Schauen Sie, in Bayreuth ist wirklich bis 2015 alles vorausgeplant. Was in welcher Reihenfolge gespielt wird, ist aufgrund des Stücke-Kanons relativ klar. Man muss also rechtzeitig Dirigenten, Regisseure und Sänger verpflichten. Die sind, was Wagner-Aufführungen an diesem besonderen Ort betrifft, rar. Eine künftige Festspielleitung kann also erst ab 2016 eigene Akzente setzen. Das bedeutet, dass manche Bewerberin dann schon in den Siebzigern wäre.

Werden Sie dort dann Chefdirigent?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Titel sind derzeit das Allerunwichtigste.

Abgesehen vom geplanten "Rosenkavalier" und der "Frau ohne Schatten" mit den Münchner Philharmonikern kommen Sie aus der ­ zugegeben großen ­ Wagner-Schublade nicht raus.

Ich würde gerne mehr Oper dirigieren, dann käme ich aber mit meinen Münchner Einsätzen in die Bredouille. Immerhin habe ich insgesamt 70 Abende pro Saison ­ dies an die Adresse derjenigen, die meinen, ich tu' zu wenig. An der Deutschen Oper in Berlin habe ich damals einen Puccini-Zyklus begonnen, auf so etwas bin ich gierig. Leider kam es bekanntlich wegen der dortigen Verhältnisse nicht zur Fortsetzung. Wagner in seinem tollen Bayreuther Umfeld bleibt also zentral für mich.

Die Wochen und Monate am Grünen Hügel wären dann so etwas wie eine Kur.

Also Kur...

Eine mit harten Anwendungen eben.

D'accord. Ich freue mich eben irrsinnig darauf. Jedes Jahr Ende Januar spüre ich erstmals so'n Zucken in den Armen. Und dann denke ich mir traurig: Mensch, das dauert ja noch ein halbes Jahr, bis ich wieder hin darf.

Das Gespräch führte Markus Thiel

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