Eine Hommage an Edward Hoppers „Nighthawks“ – und visionäre Weiterentwicklung ist das Ölgemälde „Are you using that Chair?“ von Banksy (2005).
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Eine Hommage an Edward Hoppers „Nighthawks“ – und visionäre Weiterentwicklung ist das Ölgemälde „Are you using that Chair?“ von Banksy (2005).

Starke Doppelschau: Echte Banksys und weitere Ikonen der Urban Art im MUCA

Das müssen Sie gesehen haben: Banksy und Co. im Münchner MUCA

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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Endlich dürfen sie wieder öffnen. Und damit einen weiteren Teil ihrer irrsinnigen Sammlung von Street und Urban Art zeigen: Das Münchner Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) zeigt eine Doppelschau: Ikonen der Szene und einen Wegbereiter, Richard Hambleton. Höchst sehenswert!

  • 2016 gründeten Stephanie und Christian Utz das MUCA in München
  • Es ist Deutschlands erstes Museum für Urban Art
  • Hier kann man echte Banksys und andere Ikonen der Street und Urban Art sehen

Wenn ihm die Farbe ausging, nahm er Blut. Spritze auf Papier statt Öl auf Leinwand. Wie zart die Blumen wirken, die Richard Hambleton in seinen „Blood Paintings“ verewigt hat. Zeichnungen voller Herzblut – im wahren Sinne. Das Pochen, die Leidenschaft, die überbordende Kreativität spürt man in allen Werken, die nun im Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) zu sehen sind.

Endlich. Man würde gern mal einen Text schreiben, der ohne das Wort Corona auskommt – und muss es doch kurz erwähnen. Um deutlich zu machen, was für ein stabiles Netzwerk sich Stephanie und Christian Utz über die Jahrzehnte aufgebaut haben. Nur ihren guten Beziehungen ist es zu verdanken, dass die Doppelausstellung ihres Museums, die von Herbst 2020 bis Juni 2021 laufen sollte, Lockdown-bedingt aber schließen musste, jetzt bis auf Weiteres verlängert werden konnte. Die Leihgeber machen keinen Druck, und: Die meisten Stücke in der zweigeteilten Schau gehören dem Haus. Christian Utz hat schon Urban Art gesammelt, als der Name Banksy was für Insider war – und das Mädchen mit dem Ballon noch nicht über jede Tasse und jedes Poster der „Kunst“-Shops dieser Welt geflogen ist.

Semitransparente Raumtrenner und schwarze Wände sorgen für Spannung in der stark kuratierten Schau.

„Mein Mann wurde damals von anderen Sammlern angeschaut wie ein Alien“, erzählt Stephanie Utz lachend. Heute blicken sie aus aller Welt neidvoll auf das Museum, das das Paar vor fünf Jahren errichtet hat. Hier hängt die Crème de la Crème der Urban Art. Und im Untergrund ruht nicht der Teufel, sondern Gott.

Besser: der Pate. „The Godfather of Streetart“ nennen Anhänger Richard Hambleton (1952-2017). Im MUCA präsentieren sie seine ungezügelten Bilder im neu eingerichteten Untergeschoss. Denn auf ihm beruhen all die Stars der Szene, von Banksy bis KAWS, die in den Etagen darüber zelebriert werden.

Hambleton hat in den Siebzigern für Wirbel in den Städten gesorgt. Mit Kreide malte er Umrisse von Mordopfern in die Straßen von San Francisco bis New York, bespritzte sie mit roter Farbe und freute sich vermutlich diebisch über den Schrecken, den er verbreitete. Oder später, mit seinen wie vom Teufel gerittenen Schattenmännern. Lebensgroß, verteilt auf Häuserwänden und Telefonzellen. Energiegeladene Provokationen, die jeden, der sie sieht, aus seiner Komfortzone aufschrecken. Wer die Bilder betrachtet, erkennt sofort: Das ist kein Kinderspielplatz von infantilen Unruhestiftern – das ist Kunst.

Mit Schattenmännern wie diesem sorgte Richard Hambleton in den Achtzigern für Schrecken.

Allen vorweg natürlich Banksy. Der geheimnisumwitterte Künstler oder die Künstlerin oder das Kollektiv? Das Ehepaar Utz kennt die Antwort, sagt aber nichts. Sie sind einfach glücklich und auch stolz, dass sie nun neben seinen ikonischen Motiven wie der Ratte etliche weniger bekannte Werke ausstellen können. Solche, in denen er nicht auf den Superstar an der Dose reduziert wird, sondern in denen der begnadete Maler und Bildhauer zum Vorschein kommt.

Eigentlich müsste neben dem Ölgemälde „Are you using that Chair?“ ein Abdruck auf dem Boden sein. An der Stelle, an der Christian Utz saß, als sie es gehängt haben. Selbst völlig baff und berührt, dass dieses visionäre Banksy-Werk von 2005, eine Hommage an Edward Hoppers „Nighthawks“, nun in München ist. „Ich habe es 2005 in Banksys Ausstellung in London gesehen. Da wurde man durch die Räume geschoben, hat kurze Blicke auf alles erhaschen können. Eine bewusste Inszenierung, klar. Doch ich dachte nur: Wenn ich einen Traum habe, dann, dieses Bild einmal in Ruhe anzuschauen.“ Das kann er jetzt. Und jeder andere auch. Man sollte es tun, am besten eine Führung buchen – die Geschichten, die hier schlummern, sind so spannend wie die Werke selbst. Alles andere als blutleer.

Mindestens bis Ende 2021 ist die Doppelschau im MUCA, Hotterstraße 12, zu sehen. Online-Ticket-Kauf vorab hier

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