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Jérôme Savary

Interview zur Premiere

„Das müsste Barack Obama gefallen“

München - Jérôme Savary über seine Show „A la Recherche de Josephine“, die im Deutschen Theater München gastiert

Vom Titel „A la Recherche de Josephine“ sollte man sich nicht verwirren lassen. Denn in seiner neuesten Show, die bereits Paris, Madrid, Kopenhagen und Wien im Sturm erobert hat, erzählt Jérôme Savary keineswegs einfach nur die bewegte Lebensgeschichte von Josephine Baker. Die Karriere der „Schwarzen Venus von Paris“ dient dem französischen Regisseur vielmehr als Aufhänger für eine kurzweilige Nachhilfestunde in Sachen Jazz, die den Zuschauer über Afrika, Haiti und die amerikanischen Südstaaten bis nach Paris führt, wo wir im farbenprächtigen Finale schließlich Zeuge von Josephine Bakers Triumph in der „Revue Nègre“ werden. Für den authentischen Klang sorgt eine Gruppe handverlesener Musiker, die von Savary persönlich im Jazz-Mekka New Orleans rekrutiert wurden und nun das Deutsche Theater zum Swingen bringen sollen.

-Was reizte Sie an der Figur Josephine Baker am meisten?
Sie war der erste schwarze Weltstar. Noch vor Ella Fitzgerald. Doch neben dem umjubelten Star hat mich vor allem dieses junge Mädchen interessiert, das damals mit 17 Jahren nach Paris kam und mit ihren Auftritten all diese berühmten Künstler begeistert hat: Pablo Picasso , Igor Strawinsky oder Jean Cocteau , der für sie den berüchtigten Bananenrock entworfen hat. Sie war wunderschön, provokant, witzig und hatte eine unglaubliche Stimme. Fast wie eine Opernsängerin. Nicole Rochelle , die bei uns die Josephine spielen wird, ist ebenfalls nicht die typische Revuetänzerin, wie man sie sich heute vielleicht vorstellt. Sie wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines unschuldiges Mädchen, hat dazu aber gleichzeitig diese wahnsinnige Energie, nach der die Rolle einfach verlangt.

-War es schwierig, eine würdige Nachfolgerin für Josephine Baker zu finden?
Ich habe in New York viele Auditions abgehalten und bin auch noch nach New Orleans gefahren, um wirklich authentische Jazz-Musiker zu finden. Es war reiner Zufall, dass ich dort zwei Wochen nach Hurricane Katrina angekommen war. Die ganze Stadt war damals überflutet, alle Jazz-Clubs geschlossen und die Straßen wie ausgestorben. Als ich diese unglaubliche Zerstörung sah, wollte ich sofort eine Hommage an New Orleans und seine Musik machen.

-Ihre Show beschäftigt sich also nicht allein mit Josephine Baker?
Nein, deswegen haben wir sie ja auch „Suche nach Josephine“ genannt. Im Stück gibt es diesen französischen Produzenten, der ich selbst sein könnte. Er sucht in New Orleans nach Darstellern für seine nostalgische Baker-Revue und begegnet einer Reihe von Musikern. Durch sie erzählen wir, wie sich damals der Jazz aus der Musik der Sklaven entwickelt hat. Die ganze Show ist gewissermaßen eine einzige große Hommage an die schwarze Musik und den Jazz. Deshalb möchte ich sie jetzt unbedingt auch nach Amerika bringen, weil ich glaube, dass es eine Show ist, die auch Barack Obama sehr gefallen müsste.

-Und wie hat das europäische Publikum bislang darauf reagiert?
Ich denke, dass wir eine Story erzählen, die man überall versteht. Der Jazz ist für mich die große musikalische Revolution des letzten Jahrhunderts. Alles, was die jungen Leute heute hören bis hin zur Rap-Musik, würde ohne den Jazz und Künstler wie Louis Armstrong nicht existieren.

-Der Name Jérôme Savary garantiert fast immer für großes Entertainment. Trotzdem wird es in Ihrer neuen Show teilweise ganz schön politisch.
Ich respektiere das Revue-Theater, aber für mich muss ein Stück immer auch eine Geschichte erzählen. Schon Shakespeare oder Cervantes haben ernste und komische Elemente vermischt. Eben genauso wie im richtigen Leben. Die Szene mit dem Ku-Klux-Klan hätten wir beinahe gestrichen, weil sie uns sehr provokant erschien. Aber direkt danach kommt eine sehr lustige Nummer, die gerade deswegen umso stärker wirkt.

-Und gleichzeitig die ernsten Elemente etwas leichter verdaulich macht.
Ich finde es gut, wenn die Menschen aus dem Theater kommen und durch uns vielleicht etwas mehr über diese Zeit und ihre Musik gelernt haben. Natürlich wollen wir in erster Linie unterhalten. Deshalb haben wir neben unseren Musikern viele hübsche Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne. Gerade jetzt, wo wir eine ähnliche Krise haben wie in den 30er-Jahren, ist das wichtig. Da wollen sich die Leute nicht auch noch im Theater deprimieren lassen. Darin liegt meiner Meinung nach das Erfolgsrezept von Josephine. Damals genauso wie heute.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

Vorstellungen

7. bis 19. Juli; Karten: 089/55 23 44 44.

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