"Das Ouzo-Orakel": Frank Schulz' furioser Trilogie-Schlusspunkt

- Frankfurt/Main - Es ist soweit. Frank Schulz hat einen Schlusspunkt gesetzt. Die zahlreichen Liebhaber seiner literarischen Helden müssen nun ganz stark sein: Mit "Das Ouzo-Orakel" endet die Hagener Trilogie, die Geschichte über das Leben, Lieben und Leiden von Bodo Morten und seinen Kumpeln beiderlei Geschlechts.

Das ist zunächst einmal eine schlechte Nachricht. Doch die gute folgt sogleich: Schulz, sprachgenialer Wortschöpfer, dialektal versierter Dialogspezialist und Geschichtenerzähler erster Güte, hat sich dabei selbst übertroffen.

Nach "Kolks blonde Bräute", dem Debüt von 1991, und "Morbus Fonticuli" elf Jahre später ist der Abschluss-Roman der Trilogie noch einmal ein Meisterwerk Schulz'scher Erzählkunst. Wie überhaupt das ganze Projekt in der neueren deutschen Literatur zumindest ungewöhnlich genannt werden darf: Über 15 Jahre und hunderte von Seiten hat Schulz seinen Lesern sein literarisches Universum ausgebreitet, in dem der norddeutsche Anti-Held Bodo Morten die zentrale Rolle spielt.

Nach Suff, Scheidung, psychischem Zusammenbruch und Aufenthalt im Sanatorium hat Morten nun die Kurve gekriegt, die Kurve nach Kouphala, einem griechischen Nest an der ionischen Küste. Dort lebt er seit fast vier Jahren als Frührentner, liest Homer, treibt Gymnastik, lernt Griechisch und leckt die Wunden, die das Leben ihm geschlagen hat. Und weil die Freunde, neue wie Spyros und alte wie die vergnügungssüchtige Karin, so angenehme Zeitgenossen sind, könnte es lange so weitergehen.

Geht es aber nicht: Und das ist die Schuld von Monika, geborene Meurin, verheiratete Freymuth. In die war Bodo schon verliebt, als er 1969 beim Schützenfest in Beeckdörp ihr Prinz sein durfte. Und nun kommt sie und wirft ihn, der Schnaps und Frauen längst abgeschworen hat, erneut aus der Bahn. Und zwar gründlich.

Das klingt platt wie die norddeutsche Landschaft, in der Beeckdörp liegt, stimmt aber nicht: Frank Schulz beschreibt seine schillernden Figuren wie den berlinernden Zen-Sven oder die einfühlsame Manu so plastisch, dass der Leser sich nicht wundern würde, ihnen vor der eigenen Haustür zu begegnen. Und er erzählt das alles mit immer rasanterem Tempo, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Und nun soll Schluss sein? Es bleibt die Hoffnung, dass Frank Schulz zwar seine Trilogie beendet hat, aber nicht das Schreiben.

Frank Schulz

Das Ouzo-Orakel

Eichborn, Frankfurt/Main

544 S.

Euro 24,90

ISBN 3-8218-0729-6

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