Auf dem Daumennagel

- Das wichtigste Werkzeug dieser Künstler war die Lupe. Ihre Arbeitsfläche war manchmal nicht größer als ein Daumennagel, doch das Resultat zeugt von meisterhafter Genauigkeit. Die Rede ist von den Miniaturenmalern des ausgehenden 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, welche die neue Dauerausstellung "Europäische Miniaturen: Sammlung Nottbohm" in der Münchner Residenz beheimatet. Die Sammlung ist eine Dauerleihgabe des Ehepaars Klaus und Helga Nottbohm, ergänzt durch Einzelstücke aus dem Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung. Sie umschließt momentan etwa 140 Exponate, in der Mehrzahl Porträtminiaturen, von denen in dem kleinen Kabinett am Brunnenhof jedoch immer nur ein Teil präsentiert werden kann.

Die filigrane Kunst der Miniaturen geht auf die mittelalterliche Buchmalerei zurück und umfasst verschiedene komplizierte Techniken: ein Malgrund aus feinen Elfenbeinplättchen für mehr Transparenz, Pergament und Silber für eine leuchtende Färbung, Wasserfarben, Email oder Öl und ein hauchdünner Pinsel aus Marderhaar. Die zumeist als Geschenk gedachten Miniaturen erscheinen oft als Erzähler privater Geschichten: eine Dame, die lieber anmutig als Göttin Ceres erscheinen wollte; die Familie König Ludwigs XIV., die ein französischer Hofmaler in blauen Umhängen Marien-gleich porträtierte. Nicht wenige besitzen höchst kunstvolle Rahmungen. Sie sind als Anhänger ausgestaltet, zieren den Deckel einer Dose oder einen Brautbeutel, ein Zigarettenetui oder einen Fingerring.<BR><BR>Die bedeutende Sammlung soll der Grundstein zu einem großen bayerischen Miniaturenmuseum sein. "Vielleicht werden wir eines Tages sagen können: Das ist die schönste Miniaturensammlung der Welt", so wünscht es sich auch der Sammler Nottbohm. <BR><P>Täglich 9-18 Uhr, Tel. 089/ 29 06 71.<BR></P><P><BR> </P>

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