Dave Brubeck: Jazz als echte Volksmusik

- Söhne großer Männer haben oft ein gespanntes Verhältnis zum Vater. Insofern ist es bemerkenswert, wie entspannt die drei Söhne der Jazz-Legende Dave Brubeck in der Münchner Philharmonie gemeinsam mit dem Vater musizieren. "A Brubeck Family Christmas" ist das Motto des Abends, und so gibt es zum Auftakt Brubecks Weihnachts-Oratorium "La Fiestade la Posada".

Ein Orchester, ein Chor und vier Solisten tragen das Stück vor, das von der Heiligen Familie erzählt, die in Bethlehem nach Unterkunft sucht. Eklektisch verarbeitet Brubeck volkstümliche lateinamerikanische Weisen, klassische Musik und eingängige Jazz-Klänge zu einem Werk, das immer gut unterhält. Das war von jeher die Stärke von Brubeck, der kürzlich seinen 85. Geburtstag feierte: verschiedene Einflüsse aufzunehmen und mit beneidenswerter Mühelosigkeit zu mitreißender Musik zu formen.

Das wird nach der Pause besonders deutlich, als er Klassiker und neue Stücke nur mit seinen drei Söhnen Chris, Dan und Darius vorträgt. Mit filigranem Minimalismus zaubert Brubeck da Standards hin, die sich irgendwie faszinierend anders anhören als gewohnt. Brubeck interessiert sich vor allem für rhythmische Strukturen und stößt so auf verblüffende Varianten. Das Intro zu "St. Louis Blues" sei bei genauerer Betrachtung eigentlich ein Tango, erklärt Brubeck verschmitzt und spielt es dann auch genauso.

Seine Söhne begleiten ihn hingebungsvoll und können neben dem Meister bestehen. Insbesondere Chris, der seinen Bass ebenso inspiriert wie virtuos zupft, ist eine Entdeckung. Das Publikum lässt sich von der aufgeräumten Freundlichkeit der vier anstecken - so wie Brubeck es mag. Immer schon hat er Jazz als Volksmusik verstanden, als Kunst, die von möglichst vielen gehört wird und nicht nur von Snobs. Die Anstrengung, die dahinter steckt und das tiefe Verstehen von Musik, die Brubeck so leichthändig zelebriert, ist hier kein Selbstzweck. Ein schöner Abend mit einem außergewöhnlichen Künstler.

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