Der doppelte David Garrett: Seit einer Woche steht eine Wachsfigur des Geigers bei „Madame Tussauds“ in Berlin. Zum Konzert in der ausverkauften Münchner Olympiahalle kam am Mittwoch natürlich das Original. Foto: dpa

David Garrett mit dem Besten aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert

München - Willkommen auf Radio Stradivari! David Garrett, quasi der dreitagebärtige Urenkel von Zaubergeiger Helmut Zacharias, begeisterte sein Publikum in der ausverkauften Olympiahalle mit dem Besten aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert.

Ravel und Ramazzotti, Beethoven und Bamboleo, Mikis Theodorakis und Metallica - Garrett und seine cleveren Produzenten haben den Bogen raus, wie der gesamte weltweite Musikanten-Adel mühelos unter einen Schlapphut zu kriegen ist.

Unter dem Motto „Rock Symphonies“ zeigte der coole Aufgeiger mit Piraten-Kopftuch einmal mehr, wie stradivariabel sein Musikgeschmack ist. Diesmal standen wieder Pop und Rock im Mittelpunkt - mal spannend, wie bei McCartneys dynamisch donnerndem „Live And Let Die“, mal (zu) brav wie beim verzuckerten „Musica è“, das schon im Original von Eros Ramazzotti keines der zentralen Werke der Musikgeschichte war. Dazwischen dann immer wieder Klassik, Garrett als Beau-lero oder als Brahms-Bewunderer mit den Ungarischen Tänzen.

An seine künstlerischen Grenzen stößt der angeblich schnellste Geiger der Welt, der Violinen-Vettel, an diesem Abend niemals, und manches unterfordert ihn gewaltig. Doch darum geht’s auch gar nicht bei den „Rock Symphonies“. David Garrett bietet perfektes Entertainment. Ob man tatsächlich Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ und Beethovens Fünfte dringend hintereinander spielen muss, wird zwar ewig umstritten bleiben - aber wenn, dann bitte mit viel Rumms und Wumms und Flammenwerfern, und mit einer so lässigen Show, wie sie der Action-Geiger aus Aachen, der Backstreet Geigenboy, in die Münchner Olympiahalle brachte.

von jörg heinrich

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