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David Garrett spielt perfekt Geige – mindestens ebenso gut weiß er, wie man eine Riesenshow inszeniert.

David Garrett: Hauptsache Show

München - Klassik, Rock, Pop, R’n’B oder Jazz: David Garrett begeistert das Publikum in der Münchner Olympiahalle. Lesen Sie hier die Kritik!

Der Abend in der Münchner Olympiahalle beginnt mit Fanfaren und Scheinwerfern, die durch den Saal wirbeln. Noch ist er nicht da. Noch sieht man bloß einen roten Samtvorhang, auf dem der Schriftzug „Rock Anthems“ prangt. Plötzlich fällt der Vorhang in sich zusammen und gibt den Blick auf die Bühne frei. Hier ist er: David Garrett. Auf einer Säule hoch über der Bühne. Um ihn herum räkeln sich Tänzerinnen in Lack und Leder, auf der Videoleinwand im Hintergrund flirren Lichter, aus dem Boden steigt Dampf, aus der Bühne sprüht Feuer.

David Garrett beherrscht die Geige perfekt. Mit dreizehn Jahren spielte er Mozart, Bach oder Brahms technisch exzellent und gleichzeitig so nuancenreich, dass Kritiker von einem Wunderkind sprachen. Auch heute übt Garrett täglich vier Stunden – dass er ein Ausnahmetalent an der Geige ist, steht außer Frage. Berühmt geworden ist Garrett allerdings nicht mit seinen klassischen Interpretationen, sondern mit seinem Crossover-Spiel: Ob Klassik, Rock, Pop, R’n’B oder Jazz – Garrett mischt an diesem Abend munter drauflos. Zusammen mit der Neuen Philharmonie Frankfurt und seiner Band bringt er Stücke von den Beatles, Beethoven oder Led Zeppelin auf die Bühne. Aus Rockhymnen wie Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ macht er seine ganz eigene Version und schwebt dazu, als geigespielender Rockstar, an Seilen über den Saal.

Mindestens ebenso gut wie Garrett sein Instrument beherrscht, weiß er, wie man eine Show inszeniert – und die schien an diesem Abend manchmal wichtiger zu sein als die Musik. Viel zu oft wurde Garretts Geige von Schlagzeug und E-Gitarre übertönt. Ständig flirrten Kreise, Dreiecke oder Flammen über die Leinwand im Hintergrund. Insgesamt gab’s viel Brimborium und wenig Gefühl.

Das Publikum war trotzdem begeistert. In der ausverkauften Olympiahalle erntete Garrett gleich zweimal Standing Ovations.

Katharina Mutz

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