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Schunkeln für den Entertainer: David Garrett bei seinem Auftritt in der ausverkauften Olympiahalle.

David Garrett lässt Können nur vereinzelt aufblitzen

München - Jeder, der David Garrett in einem klassischen Konzert erlebt hat, weiß, dass er eine Ausnahmebegabung ist. Ein Talent, wie es vielleicht einmal alle paar Jahre auftaucht.

Aber berühmt geworden ist der 30-Jährige als eine Art Popstar, als schnellster Geiger der Welt nämlich. Wenn er also in der ausverkauften Münchner Olympiahalle auftritt, gilt das Augenmerk nicht dem begnadeten Geiger, sondern dem Entertainer, der mit dem Programm „Rock Symphonies“ das praktiziert, was man gerne „Crossover“ nennt – er fusioniert die Idiome von klassischer und populärer Musik.

Das ist weder neu, noch verwerflich, und manche von Garretts Kollegen haben auf diesem Gebiet Beachtliches zustande gebracht. Allen voran Violinen-Punk Nigel Kennedy, der das Werk von Jimi Hendrix oder den Doors fulminant auseinandernahm, um es dann spektakulär neu zusammenzusetzen. Garrett hat diesen Ehrgeiz allerdings gar nicht. Er begnügt sich im Wesentlichen damit, bekannte Pop-Hits wiedererkennbar nachzuspielen und unterfordert sich damit selbst. Schunkler wie „Rockin’ all over the World“ meistert schließlich jeder halbwegs begabte Kollege ohne größere Schwierigkeiten.

Nur selten gelingt es Garrett, etwas Eigenständiges aus den Vorlagen zu machen. Er liefert einen Kessel Buntes, der sich vorzüglich für Carmen Nebel, „Wetten, dass...?“ oder „Die ultimative Chartshow“ eignet, aber für ein ganzes Konzert zu wenig Substanz hat. Außer in jenen kurzen Momenten, in denen Garrett klassische Stücke einfügt und sich ebenso virtuos wie vogelwild an Beethoven, Bach oder Vivaldi abarbeitet. Da wird echte Leidenschaft und sein immenses Können hörbar, etwa wenn er bei Beethovens fünfter Symphonie ein sehr freies Solo spielt. Das hat was.

Zumindest ahnt man, dass es etwas hat, denn allzu viele Feinheiten kann man aus dem breiigen Klangbild nicht heraushören. Ansonsten unterhält Garrett mit Schwänken aus dem Leben als fahrender Musiker – wobei sympathischerweise das Öcher Platt seiner Heimat Aachen durchklingt.

Zoran Gojic

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