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„Mir läuft die Soße runter“, berichtet David Garrett über die Dreharbeiten am gut geheizten Set der Bavaria Filmstudios bei München.

David Garrett als Paganini

München - In den Bavaria Filmstudios steht David Garrett als Paganini vor der Kamera. Zu Besuch bei den Dreharbeiten von „Der Teufelsgeiger“: 

Im ersten Moment sieht er aus wie Heavy-Metal-Ikone Ozzy Osbourne. Ist er aber nicht. Der Typ mit den langen, dunklen Haaren, dem schwarzen Mantel und der Sonnenbrille ist niemand anderes als Stargeiger und Frauenschwarm David Garrett. Kaum hat er um die Ecke gelugt, ist er auch schon wieder hinter einer Tür aus Sperrholz verschwunden.

Garrett ist beschäftigt. In Halle zwölf der Bavaria Filmstudios bei München spielt er den weltberühmten Geiger Niccolò Paganini. „Der Teufelsgeiger“ ist sein Filmdebüt, mit der Rolle erfüllt er sich, wie er sagt, einen Lebenstraum. Der 32-jährige Stargeiger spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern nahm auch die Musik auf und arrangierte sie neu. Außerdem ist er Co-Produzent des Films. Von Anfang an habe er an dem Projekt mitgearbeitet, nach Regisseur Bernard Rose („Boxing Day“) sei er die „Nummer zwei am Set“, so Garrett.

David Garrett als "Teufelsgeiger" - lohnt sich der Kino-Film?

Der Teufelsgeiger“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen Paganini und einer jungen Sängerin. In London lernt der umjubelte Geiger das schöne Mädchen kennen – doch Paganinis Manager Urbani ist diese Liebe gar nicht recht. Dafür verantwortlich, dass der Virtuose nach London kommt, ist im Film übrigens Veronica Ferres: In der Nebenrolle einer Geliebten bekniet sie einen britischen Impresario, Paganini ins Vereinigte Königreich zu holen. Ferres war von der Filmidee so begeistert, dass sie den „Teufelsgeiger“ sogar mitproduziert hat. Der zehn Millionen Euro teure deutsch-österreichische Film soll im Herbst nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommen.

In Halle zwölf ist es ziemlich warm. Es riecht nach Pferdemist. Vor dem Eingang eines britischen Bürgerhauses wartet eine Gruppe von Frauen in schwarzen Kleidern und Hauben. Hinter ihnen strömt aus einer Maschine künstlicher Nebel. Von irgendwoher schreit jemand „Okay, and Action!“. Die Frauen legen los: Sie rasseln und trommeln, halten Banner in die Luft und schreien.

Hier geht's zum Trailer von "Der Teufelsgeiger"

Ihre Wut richtet sich gegen David Garrett. Natürlich nur in seiner Rolle als Paganini. Der Meistergeiger ist nämlich nicht überall beliebt. Sein Ruf als frauenverschlingender Virtuose eilt ihm voraus – und empört in den 1830ern die Londoner Damen. Als dann auch noch das Gerücht aufkommt, die neue Liebe des Musikers sei minderjährig, tobt die Menge. Die Tür des Hauses öffnet sich und Garrett, mit dunkler Brille und wallendem Mantel, huscht zwischen den erbosten Frauen hindurch zu einer Kutsche. Die Pferde traben los, klappklapp, übers Kopfsteinpflaster aus Pappmaché. Und weg ist Garrett alias Paganini.

David Garrett über Paganini: "Wir galten beide als Wunderkinder"

Ein bisschen aufgeregt, sagt Garrett, sei er vor den ersten Szenen schon gewesen. Die Nervosität habe sich aber bald gelegt: „Am Anfang haben wir viele Musikszenen gedreht, da habe ich mich schnell eingegroovt.“ Genügend Selbstbewusstsein um den berühmtesten Geiger aller Zeiten zu verkörpern, hat Garrett jedenfalls: Paganini sei der erste Rockstar gewesen, habe populäre Melodien für seine Geige arrangiert – „also ein bisschen wie das, was ich heute mache“. Und auch sonst gebe es zwischen Paganinis und seinem Leben viele Parallelen: „Wir galten beide als Wunderkinder. Da lastet ein enormer psychologischer Druck auf einem, mit dem man zurechtkommen muss.“ Paganini zu spielen, sei ihm deshalb nicht schwergefallen. Trotzdem hat Garrett sich auf die Rolle vorbereitet und in New York Schauspielunterricht genommen – auch wenn Regisseur Bernard Rose ihm das eigentlich streng verboten hatte: „Bernard wollte, dass alles ganz natürlich rüberkommt. Aber ich glaube nun mal an gute Vorbereitung“, sagt Garrett und lächelt.

Die berühmte Kinski-Verfilmung „Kinski Paganini“ von 1989 scheint nicht zur Vorbereitung gehört zu haben. Jedenfalls erklärt Garrett, er habe den Film „irgendwann zwischen Tür und Angel“ gesehen. Klaus Kinski, so Garrett, habe an der Rolle nur scheitern können, weil er ja gar nicht Geige spielen konnte. Schließlich habe Paganini nicht nur akustisch, sondern auch visuell virtuos gespielt. Garrett traut sich das auch ohne Schauspielerfahrung zu: Die Musik, die er für den Film eingespielt hat, sei „geiler als alles, was vorher aufgenommen wurde. Ich bin so arrogant, das zu behaupten.“

Katharina Mutz

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