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Ian Gillan kniete sich mit Inbrunst in die Lieder.

Konzertkritik

Deep Purple klingen noch besser als vor 35 Jahren

München - Seliges Schwelgen in Nostalgie und verdammt gute neue Hits: Deep Purple begeisterten in der Olympiahalle. Unsere Konzertkritik.

Nach etwas mehr als 20 Minuten erklärt Ian Gillan den „avantgardistischen Jazz-Teil“ des Abends für beendet. Das ist natürlich schräger britischer Humor – „Deep Purple“ hatten in der halbvollen Münchner Olympiahalle erst Mal sicherheitshalber vier Klassiker aus den Siebzigerjahren ausgepackt, ihrer erfolgreichsten Zeit. Aber Gillan ist halt gut drauf und genießt sichtlich nicht nur das Dasein als unbestrittener Vortänzer der Band sondern auch die kunstvoll gedrechselten Ansagen, die er so gekonnt vorträgt, als wolle er einen Poetry-Slam gewinnen.

Ganz so hoch wie früher kommt Gillan mit seiner Stimme natürlich nicht mehr, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Damit hat sein Gesang eher gewonnen und klingt erdiger. Die Band selbst wirkt aufgeräumt und sogar Schlagzeuger Ian Paice, der als Gründungsmitglied nun auch schon im 48. Jahr zu den immer gleichen Weisen trommelt, macht ganz entschieden den Eindruck, viel Spaß an dem Treiben zu haben. Und selbst wenn man sich den heiligen Zorn der puristischen Verehrer von Deep Purple damit zuzieht, kann man konstatieren, dass die Band heute manchmal besser klingt als vor sagen wir mal 35 Jahren.

Die Arrangements sind etwas verschlankt, der Keyboarder Don Airey, der seit 2002 den mittlerweile verstorbenen Jon Lord ersetzt, darf sich zwar in einem Solo ausorgeln, aber ansonsten verzichtet er darauf, die Stücke mit Klangwänden einzumauern. Und – Vorsicht Häresie! – auch die endlos verschwurbelten Gitarrensoli des kultisch verehrten Ritchie Blackmore vermisst man eigentlich nicht wirklich. Sein Nachfolger Steve Morse spielt reduzierter und exakt auf den Punkt. Das verleiht den Liedern etwas mehr Effekt, gewissermaßen und treibt die Band immer weiter nach vorne.

Bei der Gelegenheit darf man darauf hinweisen, dass die neueren Werke wie „Uncommon Man“ verdammt gut sind und Deep Purple dabei mit einem Mal sehr jung, frisch klingen. Gillan, auch schon 70 Jahre alt, kniet sich mit Inbrunst in die Lieder und überzeugt stimmlich immer noch. Er nimmt sich dafür eben ein paar Auszeiten, die für ellenlange Soli der einzelnen Band-Mitglieder genutzt werden – und wenn man unbedingt herumnörgeln will, dann vielleicht daran. Endlose Schnörkeleien an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard beschwören die schlimmsten Seiten der Siebzigerjahre herauf, als sinnentleertes Virtuosentum jeden Spaß an der Musik raubte. Die Euphorie bei den Soli ist denn auch eher so mittelgroß. Lediglich Keyboarder Airey holt sich spontane Beifallsstürme ab, als er zwischendrin die „Ode an die Freude“ anstimmt, um unvermittelt die „Marseillaise“ anzudeuten. Eine kleine Geste der Solidarität mit den Terroropfern in Paris, die lautstark bejubelt wird.

Um kurz vor elf Uhr dürfen dann endlich alle den berühmtesten Gitarrenriff der Rockgeschichte in der Luft mitspielen, als „Smoke on the Water“ ertönt. Alle grölen den Refrain mit und so huschen Deep Purple gleich wieder zurück auf die Bühne für die Zugabe, um den Schwung mitzunehmen. Die allererste Single „Hush“ tut zuverlässig ihr Werk – seliges Schwelgen in Nostalgie. Und mit einem energischen „Black Night“ wird man in die kalte Nacht entlassen. Es macht immer noch Spaß mit diesen großartigen Radaubrüdern. Mögen Sie noch lange Krach machen.

Zoran Gojic

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