Deftiges im Separée

- So zärtlich lockend, so verführerisch schmeichelnd wie Heubergers Dreivierteltakt-Hit "Komm mit mir ins Chambre separé´e" schon in der Ouvertüre aus dem Graben stieg, hätte er eigentlich das folgende Geschehen inspirieren und sich wie ein Firnis übers ganze Stück ausbreiten müssen.

Doch die Melange aus Wiener und Pariser Flair, die der Komponist Richard Heuberger und sein Librettist Viktor Leon (Hirschberger) kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert anrichteten, vergor im Münchner Gärtnerplatztheater zum deftigen Gebräu.

Denn während Andreas Kowalewitz bei der viel beklatschten sonntäglichen Premiere auf musikalische Feinzeichnung achtete, griff Regisseur Josef E. Köpplinger zum groben Griffel. Der junge Dirigent ließ es nicht krachen, sondern differenzierte dynamisch delikat, bot den Sängern dezenten Halt und hielt das wohl gestimmte Gärtnerplatzorchester zu einem duftigen Musizieren an - nicht nur im berühmten Walzer, sondern auch in den netten Liedern, Duetten, im Domino-Terzett und den Ensembles.

Grobheiten und ein Hauch von Poesie

Der junge Regisseur nahm den Faden nicht auf. Dass Köpplinger, der vor einiger Zeit mit einer "Csardasfürstin" am Gärtnerplatz reüssiert hatte, dem "Opernball" eine neue Dialog-Fassung verpasste, war kein Fehler. Selbst wenn er den drei Dominos der französischen Lustspielvorlage noch einen vierten hinzugesellte.  Denn insgesamt half er dem heiter-amourösen Geplänkel dramaturgisch auf die Beine, mischte noch etwas prickelnden Zündstoff bei und fabrizierte so eine plausible Geschichte, die er ins letzte Jahr des Ersten Weltkrieges vorrückte. Wie schon Heuberger und Leon schielte auch Köpplinger bei der oft witzigen Texteinrichtung eifrig Richtung "Fledermaus".

Doch trotz aller Parallelen und Anstrengungen erreicht der "Opernball" nicht jenes delirierende "Glücklich ist, wer vergisst", zumal der Regisseur seinen singenden Darstellern plumpe, grobe Handgreiflichkeit verordnete. Da wurde ausgiebig und heftig gegrapscht, stellte jeder jedem nach auf der Suche nach handfester Zerstreuung und Ablenkung von den alltäglichen Problemen im Pariser Winter anno 1918.

Von der traurigen Realität kündeten neben einem blinden Spiegel im ansonsten immer noch großbürgerlichen Salon der Beaubuissons (Bühne: Rainer Sinell) zwei blinde Kinder, denen die Hausherrin kostenlosen Klavierunterricht gewährte. Sie tapsten und stolperten mit weißen Stöckchen durch die Szene - höchst peinlich. So wenig komisch wie der bellende Hund, der prompt Szenenapplaus kassierte. Kinder und Tiere, verpönte Absahner auf der Bühne, wo sich doch noch unverhofft ein Hauch von Poesie einstellte: ausgerechnet bei der offenen Verwandlung, als sich zum "Chambre-separé´e-Walzer" die Kulissen drehten.

An die Spitze des Ensembles rückten das durchtriebene Stubenmädchen Hortense (Sylvia Rieser) samt frisch-forschem Henri (Daniel Prohaska) und die gewandte Marguerite (Cornelia Horak) samt öligem Gemahl Duménil (Michael Gann). Souverän sortierte Hausherrin Palmira (Gisela Ehrensperger) nach Verwirrungen, Geständnissen und Ohnmachten am Schluss die Lage wieder neu - bis zum Eintreffen des Gerichtsvollziehers.

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