Demidenko: Der Mann mit den 99 Fingern

- Wieder einmal beglückte Nikolai Demidenko die Münchner Klavierfans. Allein mit seiner Kunst. Denn ihm fehlt jegliche Allüre, jeglicher Hang zur Selbstdarstellung. So gelang es dem in London lebenden Russen am Montagabend im Herkulessaal der Residenz mühelos, das Publikum in seinen und Scarlattis Bann zu ziehen.

<P> Dessen zwölf kleine Sonaten - ursprünglich für das Cembalo komponiert - offerierte er als kunstvolle Petitessen. Er bestach mit einem wundersam luftigen Legato, mit vielfarbigen dynamischen Nuancen, ließ das polyphone Stimmengeflecht in beiden Händen plastisch hervortreten, jagte zu dramatischen Verdichtungen oder führte die Hände wie geschmeidige Katzenpfötchen im verspielt tänzerischen Satz.</P><P> Im oft aberwitzig schnell gespielten Laufwerk klöppelten die Finger wie Hämmerchen, und er schien ihrer 99 zu haben. So gewannen diese Miniatur-Sonaten Gestalt und Struktur, offenbarten, wie viel Dichte Scarlatti hier auf kleinstem Raum versteckt hat.<BR><BR>Nach der Pause fand Demidenko dann über Chopins rhythmische wie stimmungsmäßige Kontraste auslotende Polonaise Fantaisie zu seiner h-moll-Sonate. Dabei faszinierte, wie der Interpret immer die Struktur mitdenkt, nie nur an der Oberfläche bleibt, wie er die Themen immer wieder neu belebend herausschält, wie er bloße Überleitungen mit spielerischem Charme beflügelt. <BR><BR>Nach dem Scherzo mit huschend amorph gestaltetem Beginn wechselte er in die düster grundierte Ruhe des Largo, das mit zarter Poesie in eine andere Welt entführte. Zurückgeholt wurde der Hörer dann im Finale, dessen Brillanz Demidenko in leuchtende Lebendigkeit umsetzte. Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus, den die rasch gewährten Zugaben noch mehr schürten. <BR></P>

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