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"Demokratie ist lustig"

- "Jeder Mensch ein Künstler": Mit diesen Worten sprengte Joseph Beuys die Idee des Genies. Ist aber deshalb jedes Plakat ein Stück Kunst? Und ist deshalb jedes Plakat im Dunstkreis des Revoluzzers ein echter Beuys? Mit "Beuys. Posters" spürt die Versicherungskammer Bayern in München dem Begriff Original nach und präsentiert einen Lebenslauf im plakativen Design.

<P>Niemand spielte mehr mit der Öffentlichkeit als Beuys selbst: Die Verbreitung und Reproduktion seiner künstlerischen, politischen und sozialen Ideen bildete die Basis für das Label Beuys, das mit wenigen Zutaten funktioniert. So entstanden auch rund 290 Plakate, die klar seiner Ästhetik und seinem Anliegen verpflichtet sind, aber von Studenten und Kollegen gefertigt wurden. "Wenn jemand meine Sachen sieht, dann trete ich schon in Erscheinung." </P><P>Das gilt auch bei dieser Präsentation: Für Versierte entspinnen sich zwischen den Wänden spektakuläre Aktionen, werden Fluxus und Performances wieder lebendig. Für den reinen Augenmensch bietet die Schau der Sammlung Claus von der Osten dagegen keine Erklärungen, sondern nur das Bild von Joseph Beuys. Dass man auch so die Aufwiegler-Mentalität und den neuen Kunstbegriff mitbekommt, beweist, wie gut der Vorreiter in Sachen einheitliche Identität sich inszenierte. Das Gesicht mit Filzhut, darunter in roten Lettern nur "Beuys": 1974 brauchte es nicht mehr, um die Idee der sozialen Kunst zu versinnbildlichen. Zwei Jahre zuvor wurde der Professor der Düsseldorfer Kunstakademie fristlos entlassen, weil er mit abgewiesenen Studenten eine eigene Klasse gründete. </P><P>"Demokratie ist lustig" schieb er quer über seinen Abgang mit Polizeieskorte. Spätestens damit brachte er sich als Skandalkünstler in alle Schlagzeilen. Weitere Plakate dokumentieren, wie er aus der Antihaltung eine öffentliche machte.</P><P>Der Soldat, der auf den Hasen zielt, war 1979 die Wahlwerbung für die Grünen. Trotz aller Werbewirksamkeit: Beuys war auch ihnen zu eigenständig und revolutionär. Er stellte sich symbolträchtig gegen Informel und Pop, er kämpfte mit gedeckten Farben und Schwarz-Weiß-Fotos für eine Sozialisierung und Politisierung der Kunst. Das Plakat warb dabei selten für die Sache selbst, sondern fungierte als Markenzeichen. Somit war Beuys auch in dieser Branche ein Vorreiter. </P><P>Bis 7. November, Tel. 089/ 21 60 27 91; Katalog: 25 Euro.<BR></P>

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