Demokratische Mördersuche

- Das Licht bleibt an im Zuschauerraum der Komödie im Bayerischen Hof. Nicht durchgehend, aber doch über weite Strecken der neuen Inszenierung von Paul Pörtners "Scherenschnitt". Der Grund: Pörtners Kriminalkomödie ist ein Mitspielstück. Das Publikum entscheidet, wer den Mord begangen hat. Theater war für Pörtner immer ein gemeinsamer Schaffensprozess von Zuschauern und Schauspielern, und so hat er in "Scherenschnitt" eine demokratische Mördersuche entworfen.

<P>Ort der Handlung ist Leos Friseursalon. Als in der Etage darüber eine Leiche gefunden wird, ist jeder der Anwesenden gleichermaßen verdächtig. Klassische Krimidramaturgie zunächst, Inspektor Wittekind und sein Assistent ermitteln direkt vor Ort. Bevor die Verhöre jedoch beginnen, bittet der Kommissar das Parkett um Mithilfe. </P><P>Einen pastellfarbenen 50er-Jahre Friseursalon hat Thomas Pekny auf die Bühne der Komödie gestellt, unter der Regieanleitung von Paul Bäcker tummeln sich zwischen Spiegeln und Rasierstühlen die Schauspieler. Max Schautzer gibt den Inspektor recht ungelenk, besser gelingt ihm die Rolle des Moderators im Publikumsverhör. Fernseherfahrung hilft. Elisabeth Volkmann als aufgetakelte Arztgattin klebt dagegen unter ihrer Trockenhaube. Es ist Alexander Pelz als Friseur, der überdreht, aber pointiert einen unterhaltsamen, boulevardesken Glanz verströmt. Als Einziger kann er sich aus einer steifen Inszenierung befreien.</P><P>Bieder wird dem Stück Lokalkolorit verpasst, ohne Pep wird es heruntergespielt. Auch die interaktive Mördersuche gestaltet sich öde, bedarf es doch dazu einer Rekonstruktion der gerade gesehenen Szenen. Alles noch mal auf Anfang! Das Publikum zeigt sich bei der Spurensuche dafür sehr verlässlich. Lauter brave Bürger melden sich zu Wort und verkünden ihre Verdächtigungen. Anschließend dann Abstimmung: Der Schnösel (Josef Baum) gewinnt.<BR><BR></P>

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